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fyaie. Da ich es auö zwei Quellen gehört habe, halte
ich es für wahr. Doch erkläre ich es mir so: die N. wird
etwas freundlich gegen Shiff gewesen sein, darüber wird
die Schwägerin sie nachher in Lachö' Gegenwart auf
gezogen haben, und sie mag, um sich zu rechtfertigen,
auf Shiff räsoniert haben. Shiff erzählte mir auch,
daß sie gegen ihn sehr freundlich war. Er ließ sich melden,
ob er genehm wäre, und sie kam selbst bis auf den
Flur und nötigte ihn zum Wiederkommen. Als Shiff
aber ihre Äußerungen von mir hörte, beschloß er, darüber
beleidigt, sie nicht zu besuchen. Wäre das nicht, so wäre
Monsieur N. wohl schon zu beklagen.
Häusliche Dramen
Sonnabend, 11. Januar
Meine Feder schaudert zurück, da sie die Szenen dieses
Morgens beschreiben soll. Aber ich habe mir Wahrheit
gelobt.
Schon beim Kaffeetrinken, als meine Mutter wieder
holt darauf aufmerksam machte, daß Riekchen S.'
wegen so schnell aufgestanden sei, rief mein Vater un
willig: „Schon genug, schon genug!"
Man räumte auf. Plötzlich erhob sich in der Hinter
stube ein Lärm. Emilie hatte wieder den Schrank, in
welchem die silbernen Leuchter, einige Weben Leine
wand usw. liegen, offen stehen lassen. Meine Mutter
kam in die Stube und wurde von gerechtem Unwillen
ergriffen. Sie rief Emilien: „Schon wieder läßt du
den Schrank auf!" und gab ihr, worin sie vielleicht zu
weit ging, eine Ohrfeige. Emilie weinte und plärrte