Full text: Ferdinand Lassalle

220 
‘I 
Aber damit noch immer nicht genug! Die ganze Reihe 
dieser persönlichen Konzessionen, welche die Zeitungs 
schreiber rein um ihres Geschäftes willen der Regierung 
machten, die Zeitungsschreiber konnten sie natürlich nicht 
als solche rein persönliche Konzessionen um des Geschäftes 
willen gemacht eingestehen, weil sonst die Verachtung 
des Volkes, der Verlust von Lesern, Abonnenten und 
Inseraten die unausbleibliche Folge gewesen wäre. 
Blieb also nichts übrig, als diese rein geschäftlichen 
Konzessionen als ebenso viele neue Standpunkte 
des allgemeinen Geistes dem Volke vorzudemon 
strieren und aufzudrängen, sie als Entwicklungen und 
heilsame Kompromisse des Volkslebens dar 
zustellen und so den Volksgeist selbst bis auf den Grad 
zu entmannen und zu verwässern, welcher für die Fort 
setzung des lukrativen Jeitungsgeschäftes erforderlich 
war! Daher jener Rückschritt des Volksgeistes in allen 
Gebieten des öffentlichen Lebens seit 1848, daher jene 
konterrevolutionäre Stimmung desselben, die man so 
lange künstlich großgezogen hat, daher jene Ent 
mannung desselben, die 1858 in dem „Neuen-Ära- 
Schwindel" — gleichfalls einer Erfindung unserer 
liberalen Zeitungen und der „Berliner Volks-Zeitung" 
vor allen — wie in einem abschreckenden Aussatze zu 
tage trat! 
Zugleich könnt Ihr Euch selbst denken, welche entsitt 
lichenden Folgen das geschilderte Verfahren täglich auf 
den Charakter der Zeitungsschreiber weiter hervorbringen 
mußte, welche frivole Verachtung gegen sich selbst, gegen 
alle ideellen Zwecke, gegen Leser und Volk, das sich 
jenen Humbug geduldig aufbinden ließ, jene tägliche
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.