Object: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

folgten Kabelverlegungen usw. Wir sahen auf Raupenketten fahr- 
bar gemachte Kratzbagger, die das ausgehobene Erdreich vom 
Bürgersteig wieder in den Graben hineinschoben; hier leisteten die 
Erdarbeiter nur Korrekturarbeit, sie waren Fertigmacher. Ihre 
physische Kraftausgabe während eines Arbeitstages ist von ganz 
anderer Natur als die der deutschen Erdarbeiter, die von früh bis 
abends mit Spaten und Schippe arbeiten. 
Wer angesichts der geschilderten Unterschiedlichkeit aller ent- 
scheidenden Voraussetzungen der Maurerarbeit den Arbeitseffekt 
des deutschen Maurers mit dem des amerikanischen Maurers nach 
der einfachen Formel vergleicht: „Pro Mann pro Stunde X Ziegel- 
steine‘“, der versteht nichts von den Voraussetzungen der Arbeits- 
leistung. Und wer Fundamentierungsleistungen oder Erdbewe- 
gungen bei Kabelverlegungen in Deutschland und Amerika pro 
Mann pro Tag X Kubikmeter vergleicht, ohne jene unterschied- 
lichen Voraussetzungen zu berücksichtigen, ist ein Demagoge! 
Das Beispiel, das hier für die unterschiedlichen materiellen Vor- 
aussetzungen der Arbeit in Deutschland und in den Vereinigten 
Staaten von Amerika an einigen wenigen Fällen gegeben ist, lässt 
sich für die meisten und nichtetwa die bedeutungsloseren Industrien 
gleicherweise geben. Das grundsätzlich Unterschiedliche liegt da- 
bei nicht einmal so sehr in der Art der benutzten Maschinen — ob- 
wohl man. das annehmen möchte —, als noch mehr in anderen 
Eigenarten der amerikanischen Produktion, auf die weiter unten 
näher eingegangen werden soll. 
Wir trafen auch Berufe und innerhalb so mancher Berufe ganz 
bedeutende Betriebe, die in ihren materiellen Voraussetzungen der 
Arbeit (Material, Maschinen usw.) sich in nichts von gleich- 
gearteten deutschen Betrieben unterschieden. Wo sich die gleichen 
Voraussetzungen ergaben, wie z. B. in Konfektionswerkstätten in 
Chicago, in Oualitätsmöbeltischlereien (New York), in Maschinen- 
werkstätten(Milwaukee), Schlosserei- und Konstruktionsabteilungen 
bei Ford (Detroit), da war endlich einmal die Möglichkeit gegeben, 
unter Ausschaltung der sonstigen, weiter oben schon erwähnten 
Voraussetzungen des „Tempos der Arbeit“ die physische Intensität 
objektiv zu vergleichen. 
Das Resultat war immer wieder verblüffend. 
Betrachten wir zuerst das Tempo der amerikanischen Kon- 
fektionswerkstätten. „Fixere‘“ Arbeit als in der deutschen Konfektion 
wird in jenen Betrieben auch nicht geleistet! Damit soll nicht gesagt 
werden, dass das physische Arbeitstempo in der deutschen oder in 
der amerikanischen Grosskonfektion etwa „gemütlich“ sei. Nicht 
umsonst ist das Schwitzsystem in der Schneiderei entstanden; es 
hat die Arbeitsbereitschaftszeiten, die kleinen Atempausen in der 
laufenden Arbeit, so gut wie restlos aus der Arbeitszeit heraus- 
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