Full text : Ferdinand Lassalle

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Daher  kommt  es,  daß,  wer  heute  mit  einer  halben
Bildung.in  die  Jeitungsschreiberkarriere  eintritt,  in  zwei
oder  drei  Jahren  auch  das  Wenige  noch  verlernt  hat,
was  er  wußte,  sich  geistig  und  sittlich  zugrundegerichtet
hat  und  zu  einem  blasierten,  ernstlosen,  an  nichts  Großes
mehr  glaubenden,  noch  erstrebenden  und  nur  auf  die
Macht  der  Clique  schwörenden  Menschen  geworden  ist!
Aus  all  diesen  Ursachen  ist  es  gekommen,  daß  sich  alle
tüchtigen  Elemente,  die  sich  früher  an  der  Presse  beteiligt ­
  haben,  allmählich  von  derselben  bis  auf  sehr  vereinzelte ­
  Ausnahmen  zurückgezogen  haben  und  die  Presse
so  zu  einem  Sammelpunkt  aller  Mittelmäßigkeiten,  aller
ruinierten  Existenzen,  aller  Arbeitsscheuen  und  Nichtswisser
  geworden  ist,  die,  zu  keiner  reellen  Arbeit  tüchtig,
in  der  Presse  immer  noch  eine  mühelosere  und  auskömmlichere ­
  Existenz  finden  als  irgend  sonst.
Das  sind  diese  modernen  Landsknechts  von  der  Feder,
das  geistige  Proletariat,  das  stehende  Heer  der  Zeitungsschreiber, ­
  das  öffentliche  Meinung  macht  und  dem  Volke
tiefere  Wunden  geschlagen  hat  als  das  stehende  Heer
der  Soldaten;  denn  dieses  hält  doch  nur  durch  äußere
Gewalt  das  Volk  zu  Boden,  jenes  bringt  ihm  die  innere
Fäulnis,  vergiftet  ihm  Blut  und  Säfte!  —  Daher  auch
die  Entfernung,  in  welcher  sich  bei  uns  alle  Männer  deö
wirklichen  Wissens  wie  in  heiliger  Scheu  von  den  Zeitungen ­
  halten.  Ich  habe  eine  ziemlich  ausgebreitete
Bekanntschaft  unter  den  Gelehrten.  Wie  oft  wurde
mir  nicht  bei  einer  gelegentlichen  Äußerung,  ob  man
nicht  über  diesen  oder  jenen  besonders  wichtigen  Gegenstand ­
  einen  Artikel  in  irgendeine  beliebige  Zeitung
liefern  wolle,  eine  Antwort  zuteil  voll  Staunen  und
            
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