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Verwunderung, als enthielte dies fast eine beleidigende
Zumutung!
Ich habe auch in meinem Leben zwei bis drei Zeitungs
schreiber näher kennengelernt, die in jeder Hinsicht eine
rühmliche Ausnahme, ja einen vollständigen Gegensatz
zu der eben gegebenen Schilderung bilden. Zwei der
selben haben sich auch bereits aus dieser Karriere zurück
gezogen ; aber wie oft riefen sie nicht alle drei in schmerz
lichem Ringen zu mir aus: Lieber Eisenbahnarbeiter
sein als weiter in dieser Karriere zu verbleiben, die uns
Geist und Seele zugrunderichtet!
Ich habe Euch gezeigt, daß das Verderben der Presse
mit Notwendigkeit daraus hervorgegangen, daß sie unter
dem Vorwand, geistige Interessen zu verfechten, durch
das Annoncenwesen zu einer industriellen Geldspekulation
wurde. Es handelt sich also einfach darum, diese beiden
Dinge zu trennen, die ja auch nichts miteinander zu
tun haben. Insofern die Presse geistige Interessen ver
tritt, ist sie dem Volköschulredner oder Kanzelprediger
vergleichbar; insofern sie Annoncen bringt, ist sie der
öffentliche Ausrufer, der öffentliche Trompeter, der mit
hunderttausend Stimmen dem Publikuni anzeigt, wo
eine Uhrkette verloren, wo der beste Tabak, wo das
Hoffsche Malzextrakt zu haben ist. Was hat der Prediger
mit den, öffentlichen Trompeter zu tun, und ist es nicht
eine Mißgeburt, beide Dinge miteinander zu verbinden?
In einen: sozialdemokratischen Staate muß also ein
Gesetz gegeben werden, welches jeder Zeitung verbietet,
irgendeine Annonce zu bringen, und diese aus
schließlich und allein den vom Staate oder von den
Gemeinden publizierten Amtsblättern zuweist.