Full text : Ferdinand Lassalle

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Im  Frühling  deS  IahreS  1862  hat  Lassalle  Helene  von  Doennige«,
Ne  Tochter  deS  Historikers  Wilhelm  DoennigeS,  kennengelernt.  Sie
war  mit  einundzwanzig  Jahren  ein  reifes,  nicht  ganz  unerfahrenes
Mädchen,  und  ihre  blondrote  Schönheit  war  eine  auffallende.
Die  Bekanntschaft  mit  Lassalle  wurde  1862  abgebrochen,  weil  in
Berlin  darüber  zu  viel  geklatscht  wurde.  Der  RechtSanwalt  Ho!thoff,
  ein  durchdrungener  FortschrittSmann,  dennoch  LassalleS
Freund,  zugleich  zu  der  Familie  DeennigeS  in  naher  Beziehung
stehend,  hatte  —  so  erzählt  der  freilich  nicht  unbedingt  verläßliche
Testamentsvollstrecker  Lassallcs,  Bernhard  Becker  —  zu  Lassall«
gesagt:
„Sie  werden  so  viel  beachtet  und  beobachtet,  und
man  spricht  so  viel  von  Ihnen,  daß  ein  Mädchen,  dem
Sie  die  Cour  machen,  notwendig  ins  Gerede  kommen
muß,  was  ich  für  Helenen  nicht  wünschen  kann.  Wollen
Sie  mir  aber  im  voraus  einen  Hciratsantrag  für  sie
machen,  so  will  ich  Sie  bei  der  Familie  einführen."
Hierauf  habe  Lassalle  geantwortet:  „Nein,  lieber
Holthoff,  das  tue  ich  nicht;  ich  kaufe  keine  Katze  im
Sack.  DaS  Mädchen  gefällt  mir  äußerlich  sehr  gut;
wenn  sie  mir  innerlich  bei  näherer  Bekanntschaft  ebenso
gut  gefällt,  so  würde  ich  mich  dazu  entschließen,  sie  zu
heiraten.  Ich  kann  Ihnen  nur  versprechen,  daß  ich  nicht
            
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