Full text : Ferdinand Lassalle

sie  kommt  selbst  in  LassalleS  Wohnung,  und  Lassalle,  durchaus
Kavalier,  beruhigt  das  Mädchen,  daS  sich  verzweifelt  auf  sein  Bett
geworfen,  und  führt  eS,  höchst  ritterlich,  in  die  Arme  der  suchenden
Mutter  zurück.  (Er  hat  diese  Stunde  später  mit  anderen  Augen
gesehen...)  Am  nächsten  Tag  erscheinen  zwei  Bevollmächtigte
der  Familie  DoennigeS  bei  Lassalle,  um  ihn  zu  ersuchen,  Genf  zu
verlassen  und  auf  Helene  zu  verzichten.  Die  Nacht  vom  3.  zum
4.  August  verbringt  Lassalle  schlaflos.  Am  4.  August  ruft  er  sich
einen  Helfer  und  Freund  herbei,  den  demokratischen  Oberst-Brigadier ­
  Rüstow.

Der  erste  Hilferuf
Rüstow!
Wenn  Du  je  einen  Funken  Freundschaft  für  mich  gefühlt ­
  hast,  so  setze  Dich  augenblicklich  auf,  ohne  auch  nur
den  nächsten  Aug  zu  versäumen,  und  eile  hierher  zu  mir
nach  Genf.  Es  handelt  sich  um  einen  rein  persönlichen
Dienst,  aber  um  Leben  und  Tod.  Aum  ersten  Male  in
meinem  Leben  brauche  ich,  der  ich  so  vielen  geholfen
habe,  andere.  Möge  nicht  der  erste,  an  den  ich  mich
wende,  mir  den  Rücken  kehren!  Rücken  kehren  —  daS
heißt  hier  auch  nur  der  kleinste  Aufschub!  Sage  auch
Frau  Emma  (Herwegh),  daß  sie  sich  bereit  hält,  im
Augenblick,  wo  sie  eine  telegraphische  Depesche  empfängt,
hierher  abzureisen.  Sehr  möglich,  daß  wir  sie  brauchen!
In  fliegender  Eile
Dein
F.  Lassalle

Seine  Korrektheit  hat  er  bald  heraus.  Das  beweist  der  folgende
Brief  an  die  mütterliche  Freundin,  an  die  Gräfin  Hatzfeldt.

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