Full text: Ferdinand Lassalle

auf Lassalles Zimmer. Jur angegebenen Stunde kamen 
die beiden Herren und machten mir, nachdem Lassalle 
sich entfernt, ihre Mitteilung. Ich wies nachdrücklich auf 
die Priorität des alten Doenniges hin; allein man zeigte 
mir an, daß dieser in aller Eile nach Bern entflohen 
sei und die Vertretung der Familienehre seinem künftigen 
Schwiegersöhne anvertraut habe. Man äußerte das 
Verlangen, daß das Duell noch am selbigen Abende — 
27. August — stattfinden solle. Hiergegen protestierte 
ich auf das entschiedenste, hervorhebend, daß ich in so 
kurzer Jeit den zweiten Sekundanten nicht zur Stelle 
haben könne. Man kam zu keinem definitiven Beschluß, 
und schließlich wurde verabredet, daß die Herren um 
drei Uhr in meine Wohnung kommen sollten. 
Nachdem die Herren sich entfernt, erstattete ich Lassalle 
Bericht über die Jusammenkunft. Nochmals brachte 
ich die Prioritätsfrage vor und drang auf Ablehnung 
der Forderung Racowitzas. Lassalle wies aber mit 
Heftigkeit jeden Aufschub zurück. Ich erwiderte, die 
Sache habe keine solche Eile; Bethlen schien ebenfalls 
einen Auffchub zu wünschen — doch Lassalle wollte 
auf nichts hören und forderte mich peremtorisch aus, 
für den nächsten Morgen alles für das Duell anzu 
ordnen. 
Was sollte ich tun? Lassalle war von seinem Ent 
schluß nicht abzubringen. Meine Aufgabe war nun, die 
nötigen Vorbereitungen möglichst günstig für Lassalle 
zu treffen, falls das Duell nicht zu verhindern sei, was 
ich immer noch für möglich hielt. 
Zunächst eilte ich zu General Bethlen, teilte ihm alles 
mit und bestellte ihn auf drei Uhr zu mir. 
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