Lassalle war unterwegs sehr still; nur als wir über
daS holperige Steinpflaster kanien, sprach er von dem
Schmerze, den ihm die Wunde verursache, und fragte,
ob wir bald zu Hause seien.
Daß die Wunde gefährlich, wußte ich aus Erfahrung.
Daß sie tödlich sei, erfuhr ich erst gegen Mittag, als ich
auf sein Dringen zu einem Notar eilte, von Dr. Seiler,
der mir begegnete.
Als der Notar kam, schickte ich ihn wieder fort, weil
Lassalle mir damals nicht in dem Austand schien, jemand
zu empfangen.
Am 28. August war Lassalle auf den Tod verwundet worden,
am 31. August 1864 ist er gestorben. Sein Tod ist in Deutsch
land eine Zeitlang von vielen gar nicht geglaubt worden, Märchen
und Legenden bildeten sich. Die deutsche Arbeiterbewegung, die
er ziemlich monarchisch organisiert hatte, stockte und konnte sich
lange nicht erholen, ihr war der Kopf abgeschlagen. Weder die
Gräfin HaHfeldt, die ihn, kindlicher Wille, politisch beerben wollte,
noch I. B. v. Schweitzer, der ihm innerlich verwandt war, haben
die Lücke einigermaßen füllen können. Kläglichster Sektenstreit
entstand. Aber die Kleinheit dieser Führer gab dem Lassallekultur
erst recht Nahrung. Keiner, der ihm begegnet ist, hat von Lassalle
gleichgültig scheiden können. Cs ging jedem wie Richard Wagner,
der Lassalle ein einziges Mal begegnet ist und dann ihn verkündet
hat als „den Typus des bedeutenden Menschen unserer Zukunft,
welche er die germanisch-jüdische nennen müsse".