mir erleben! Wenn der Herr glaubt, daß er mich mit
einigen abgedroschenen Aeitungsphrasen abtun kann,
dann irrt er sich. Ich will ihn schon lehren, mich ernst
zu nehmen!"
Er machte übrigens mir gegenüber kein Geheimnis
daraus, daß seine neue agitatorische Tätigkeit für ihn
mit gewissen recht starken Unannehmlichkeiten verbunden
war. „Glauben Sie mir," sagte er, „es gehört für einen
Mann meiner Lebenögewohnheiten und meiner gesell
schaftlichen Neigungen eine starke Selbstverleugnung
dazu, um diese Agitation so durchzuführen, wie ich sie
durchführen muß. Wenn dazu weiter nichts erforderlich
wäre, als meine Zeit, meine Kraft, wenn ich die Be
wegung von meinem Zimmer aus leiten könnte, ich
würde Tag und Nacht arbeiten, ohne eine Miene zu
verziehen; aber das Sprechen vor den Tausenden, in
einer Luft, bei der man nicht atmen kann, und diese
Anjubelungen, auf die man antworten muß, es ist mir
manchmal schrecklich! Einen ganz besonderen Horror habe
ich vor den Arbeiterdeputationen, wo ich immer das
selbe zu hören bekomme und soundsoviel harte, heiße,
feuchte Hände drücken muß. Mir sind alle körperlichen
Berührungen fatal. Aber da hilft nun mal alles nichts.
Es gehört, vorläufig wenigstens, dazu! Und es muß
durchgemacht werden. Ich denke aber, in nicht allzu
ferner Zeit werde ich mich ganz auf die geistige Leitung
beschränken können und mit meiner persönlichen Agi
tation zurücktreten dürfen. Ich sehe jetzt schon einige
sehr tüchtige Leute, und cs werden noch viel tüchtigere
sich heranbilden, die als Redner und Agitatoren ihre
volle Schuldigkeit tun werden. Vorläufig aber fühle
3 Großmann Laffallk
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