Full text : Ferdinand Lassalle

mir  erleben!  Wenn  der  Herr  glaubt,  daß  er  mich  mit
einigen  abgedroschenen  Aeitungsphrasen  abtun  kann,
dann  irrt  er  sich.  Ich  will  ihn  schon  lehren,  mich  ernst
zu  nehmen!"
Er  machte  übrigens  mir  gegenüber  kein  Geheimnis
daraus,  daß  seine  neue  agitatorische  Tätigkeit  für  ihn
mit  gewissen  recht  starken  Unannehmlichkeiten  verbunden
war.  „Glauben  Sie  mir,"  sagte  er,  „es  gehört  für  einen
Mann  meiner  Lebenögewohnheiten  und  meiner  gesellschaftlichen ­
  Neigungen  eine  starke  Selbstverleugnung
dazu,  um  diese  Agitation  so  durchzuführen,  wie  ich  sie
durchführen  muß.  Wenn  dazu  weiter  nichts  erforderlich
wäre,  als  meine  Zeit,  meine  Kraft,  wenn  ich  die  Bewegung ­
  von  meinem  Zimmer  aus  leiten  könnte,  ich
würde  Tag  und  Nacht  arbeiten,  ohne  eine  Miene  zu
verziehen;  aber  das  Sprechen  vor  den  Tausenden,  in
einer  Luft,  bei  der  man  nicht  atmen  kann,  und  diese
Anjubelungen,  auf  die  man  antworten  muß,  es  ist  mir
manchmal  schrecklich!  Einen  ganz  besonderen  Horror  habe
ich  vor  den  Arbeiterdeputationen,  wo  ich  immer  dasselbe ­
  zu  hören  bekomme  und  soundsoviel  harte,  heiße,
feuchte  Hände  drücken  muß.  Mir  sind  alle  körperlichen
Berührungen  fatal.  Aber  da  hilft  nun  mal  alles  nichts.
Es  gehört,  vorläufig  wenigstens,  dazu!  Und  es  muß
durchgemacht  werden.  Ich  denke  aber,  in  nicht  allzu
ferner  Zeit  werde  ich  mich  ganz  auf  die  geistige  Leitung
beschränken  können  und  mit  meiner  persönlichen  Agitation ­
  zurücktreten  dürfen.  Ich  sehe  jetzt  schon  einige
sehr  tüchtige  Leute,  und  cs  werden  noch  viel  tüchtigere
sich  heranbilden,  die  als  Redner  und  Agitatoren  ihre
volle  Schuldigkeit  tun  werden.  Vorläufig  aber  fühle

3  Großmann  Laffallk

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