Full text: Ferdinand Lassalle

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hier und in noch verstärktem Maße. Sein Vortrag war 
im höchsten Grade wirksam, wenn auch nicht ganz frei 
vom Theatralischen. 
Für jede Stimmung, die er Hervorrufen wollte, wußte 
er den richtigen Akzent zu finden; aber alles machte 
den Eindruck des sehr Beabsichtigten, vorher Stu 
dierten, zum mindesten vorher Probierten. Sei es, 
daß er spöttisch und ironisch über die ungenügenden 
Kenntnisse seiner Richter Herzog, sei es, daß er das 
Pathos des eigenen Bewußtseins anwandte und den 
Brustton der Überzeugung anschlug oder durch den 
wehmütigen Ausdruck seines Märtyrertums zu wirken 
suchte, trotz aller Bewunderung für die Schärfe der Ge 
danken, für die Knappheit und die Gewalt des Aus 
drucks, für die hohe Beredsamkeit wurde man den Ein 
druck des Schauspielerischen nicht recht los. Dieser 
Eindruck wurde noch verstärkt durch das lebhafte Mienen 
spiel und durch die Gesten, mit welchen Lassalle den 
Vortrag begleitete. 
Der Ausdruck seines Gesichts wechselte beständig. Bald 
spielte ein spöttisches Lächeln um seinen Mund, und er 
schloß halb mitleidig, halb verächtlich die Augen zur 
Hälfte, bald öffnete er sie in ihrer ganzen Weite, und 
drohende Blicke schossen zu den erhöhten Sitzen der 
Richter hinauf. Bald ließ er den Kopf in vernachlässigter 
Haltung hin und her schwanken — so zum Beispiel, 
wenn er die erheblichsten und schwierigsten wissenschaft 
lichen Feststellungen als etwas Nebensächliches, jedem 
Richter unbedingt Geläufiges erwähnte —, bald warf 
er den Kopf vornehm und kühn in den Nacken wie ein 
römischer Imperator.
	        
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