Full text: Ferdinand Lassalle

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immer nur gewachsen ist, was sich seit den ältesten 
Zeiten jonischer Philosophie, alles andere überdauernd, 
imnier nur in beständiger Zunahme entfaltet hat,von 
einem Staate dem andern, von einem Volke dem 
andern, von einer Zeit der andern in heiliger Ehrfurcht 
überliefert, das ist der stolz ragende Baum wissen 
schaftlicher Erkenntnis! 
Und welches ist die Quelle aller unablässig fortschreiten 
den, aller unausgesetzt und unmerklich sich vermehrenden, 
aller friedlich sich vollziehenden Verbesserung in der 
Geschichte, wenn nicht die wissenschaftliche Erkennt 
nis? Sie muß darum walten ohne Schranken, für sie 
darf es kein Festes, das sie nicht in den Prozeß ihrer 
chemischen Untersuchungen zöge, kein Unberührbares, 
kein noli me tangere geben. Ohne die Freiheit der 
wissenschaftlichen Erkenntnis daher nur Stagnation, Ver 
sumpfung, Barbarei! Und wie sie die unausgesetzt 
fließende Quelle aller Vervollkommnung menschlicher Zu 
stände ist, so ist sie und ihre die Überzeugungen langsam 
gewinnende Macht zugleich auch die einzige Garantie 
für eine friedliche Entwicklung. Wer daher diese Quelle 
verstopft, wer ihr in bezug auf irgendwelche Zustände, 
wer ihr an irgendwelchen Punkten zu fließen verbietet, 
der hat nicht nur den Quell der Vervollkommnung ab 
geschnitten und Nacht und Barbarei heraufbeschworen 
— er hat den öffentlichen Frieden eingerissen und 
den Staat auf gewaltsamen Umsturz und Ruin gestellt! 
Denn er hat jenes Sicherheitsventil verschlossen, durch 
welches die Gesellschaft allmählich in sich aufnimmt, 
was ihrer unmerklich sich ändernden Lage entsprechend, 
durch die Kraft der Wissenschaft langsam herausgeboren.
	        
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