87
immer nur gewachsen ist, was sich seit den ältesten
Zeiten jonischer Philosophie, alles andere überdauernd,
imnier nur in beständiger Zunahme entfaltet hat,von
einem Staate dem andern, von einem Volke dem
andern, von einer Zeit der andern in heiliger Ehrfurcht
überliefert, das ist der stolz ragende Baum wissenschaftlicher
Erkenntnis!
Und welches ist die Quelle aller unablässig fortschreitenden,
aller unausgesetzt und unmerklich sich vermehrenden,
aller friedlich sich vollziehenden Verbesserung in der
Geschichte, wenn nicht die wissenschaftliche Erkenntnis?
Sie muß darum walten ohne Schranken, für sie
darf es kein Festes, das sie nicht in den Prozeß ihrer
chemischen Untersuchungen zöge, kein Unberührbares,
kein noli me tangere geben. Ohne die Freiheit der
wissenschaftlichen Erkenntnis daher nur Stagnation, Versumpfung,
Barbarei! Und wie sie die unausgesetzt
fließende Quelle aller Vervollkommnung menschlicher Zustände
ist, so ist sie und ihre die Überzeugungen langsam
gewinnende Macht zugleich auch die einzige Garantie
für eine friedliche Entwicklung. Wer daher diese Quelle
verstopft, wer ihr in bezug auf irgendwelche Zustände,
wer ihr an irgendwelchen Punkten zu fließen verbietet,
der hat nicht nur den Quell der Vervollkommnung abgeschnitten
und Nacht und Barbarei heraufbeschworen
— er hat den öffentlichen Frieden eingerissen und
den Staat auf gewaltsamen Umsturz und Ruin gestellt!
Denn er hat jenes Sicherheitsventil verschlossen, durch
welches die Gesellschaft allmählich in sich aufnimmt,
was ihrer unmerklich sich ändernden Lage entsprechend,
durch die Kraft der Wissenschaft langsam herausgeboren.