Contents: Finanzwissenschaft

124 
3. Buch. Die Staatsausgaben. 
Einfluß sich betätigt und verdienstvolle Beamten durch parlamen 
tarische Outsiders in den Hintergrund gedrängt werden, deren 
Arbeitskraft und Arbeitslust oft gleich Null ist. Auch eine überflüssige 
Belastung des Budgets durch Schaffung überflüssiger Amtsstellen 
ist zu konstatieren. Demokratien sündigen ihrer Natur gemäß ge 
wöhnlich darin, daß viele Ämter kreiert werden um möglichst viel 
Bürger mit einträglichen Stellen zu versehen (Athen). Gewöhnlich 
sind die Gehälter auf den unteren Stellen, deren Zahl groß ist, ent 
sprechender als auf den höheren Stellen. So erhält z. B. in der 
Schweiz im reichsten Kanton, in Baselstadt, der höchste Beamte 
ein Gehalt von 8500 Franks, aber in Baselland blos 4000, in Glarus 
nur 1200, in Uri, Zug bloß 400. Diese Verschiedenheiten, welche 
auf Verschiedenheiten der Staatsformen zurückzuführen sind, er 
klären die großen Disparitäten, die wir in verschiedenen Perioden 
und verschiedenen Staaten finden. Das Intrigenspiel in der eng 
lischen Geschichte des XVII. Jahrhunderts hängt namentlich damit 
zusammen, daß die höchsten Würdenträger des Staates exorbitante 
Einkommen bezogen, was natürlich den Neid hervorrief. Marl 
borough bezog ein Gehalt von 54825, Sunderland 30000 Pfd. 
Sterling 1 ). Im Jahre 1789 hatte der französische Kanzler ein Ge 
halt von 120000 Livres, der Justizminister 135 000 Livres, der 
Staatssekretär 180670 Livres; letzterer erhielt, nachdem er erklärte, 
daß er hiervon nicht leben kann, 226000 Livres. Mazarin erwarb 
während seiner zwanzigjährigen Amtstätigkeit ein Vermögen von 
200 Millionen Livres. Kaunitz, der Kanzler Maria Theresias, bezog 
78000 Gulden. Bei der königlich ungarischen Hofkammer betrug 
im Jahre 1549 die Bezahlung des Präsidenten 800 Gulden — im 
heutigen Geldwert etwa das Zehnfache —. die der Kämmerer 
300-500 Gulden. 
Von den Staatsämtern, die den Staatsdienst besorgen, sind wohl 
zu unterscheiden die Sinekuren, öffentliche Bestallungen zur arbeits 
losen Versorgung von Personen. Diese Sinekuren müssen abgeschafft 
werden, denn sie bedeuten eine leichtsinnige und demoralisierende 
Vergeudung der Staatseinkünfte. Keine Staatsform hat sich bisher 
von diesen Sinekuren vollständig zu befreien gewußt, weder die 
Monarchie, noch die Aristokratie, noch die Demokratie. Die größten 
Sinekuren finden wir doch in den Monarchien, namentlich zur Zeit 
des Absolutismus, und alle diese Sinekuren, sowohl im Staat als in 
der Kirche, wurden dem Adel zuteil. „Überall wuchern Müßig- 
’) Über die Höhe der Beamtengehälter in früheren Perioden viele lehr 
reiche Daten siehe Koscher, Finanzwissenschaft, 2. Anti. (Stuttgart 1886), S. 459
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.