Contents: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 143 
geblieben. Gleichwohl aber besaß England wichtige Ausfuhr— 
artikel, Salz, Mineralien wie Silber, Blei und das Zinn der 
Bergwerke von Cornwall, vor allem aber Wolle; das feuchte 
Klima, die Graswüchsigkeit des Bodens und die Möglichkeit 
ausgedehnter Triften begünstigte die Erzeugung derselben in 
einer Feinheit, wie sie sonst nirgends zu finden war. Indes 
die Ausfuhr dieser Artikel wurde nicht von den Engländern 
betrieben, sondern von Italienern, Franzosen und Deutschen. 
Unter den Deutschen zeichneten sich dabei neben den Vlamen, 
die der Wolle unmittelbar für ihre Textilindustrie bedurften, 
vor allem die Rheinländer und Westfalen aus. 
Dieser Verkehr hatte für den deutschen Kaufmann in Eng— 
land schon früh zur Ausbildung eines besonderen Fremden⸗ 
rechtes geführt: auf Grund königlicher Privilegien hatte man 
Schutz erworben gegen die Gefahren des Strandraubes und der 
Vergewaltigung zu Lande, hatte man überhaupt die äußeren 
Bedingungen des Handels günstiger gestaltet. In diesen Ab—⸗ 
machungen bildete sich nun eine gewisse Gemeinschaft der 
deutschen Kaufleute um so eher aus, als schon die Seefahrt 
an sich auf die Gemeinsamkeit der Interessen hinwies; haben 
sich doch in deren Organisation noch bis über das 16. Jahr⸗ 
hundert hinaus Reste alter genossenschaftlicher Zusammenhänge 
erhalten: im Anteil der Matrosen am Ertrage der Fahrt, in 
der Kapitalbeteiligung Dritter am Schiffbau, wie im Recht des 
Seemanns, neben seinem Lohn eine Anzahl von Waren auf 
eigne Rechnung mitzuführen. 
So erwuchs in England selbst allmählich eine Gemein— 
schaft der deutschen Kaufleute, die gewohnheitsmäßig nach Eng— 
land fuhren; wir finden sie in geschichtlich klareren Zeiten als 
festgegliederte und privilegierte Handelsgenossenschaft, als Hanse, 
im Besitze einer gemeinsamen, von allen in England verkehren⸗ 
den Deutschen bewohnten Faktorei, der Gildhalle am Themse— 
ufer in London, und an ihrer Spitze sehen wir die Kaufleute 
der Stadt Köln stehen, als des damals größten Handelsplatzes 
im deutschen Nordwesten.
	        
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