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Entwickelung bcr Schiffsgcjchiitze.
auf beiden Bordseiten besetzt werden, so standen pro Geschütz nur 7 Mann zur Verfügung.
Die einzelnen Geschützdecks waren hiernach mit Mannschaften überfüllt, und es ist daher
nicht überraschend, wenn mit einer Lage der Breitseitgeschütze, wie in der Schlacht bei
Trafalgar auf dem spanischen Dreidecker „Lautn Ana“ 400 Mann außer Gefecht gesetzt
wurden. Diese verheerende Wirkung der Vollkugeln einer Breitseite beschränkte sich jedoch
in der Hauptsache darauf, eine große Zahl Mannschaften kampfunfähig zu machen und
die feindlichen Geschütze außer Gefecht zu setzen; auch wurden durch die Vollkngeln die
über Wasser liegenden Teile des Schiffsrumpfes durchschlagen und teilweise die Masten
und Teile der Takelage zu Fall gebracht. Eine Gefahr für das Schiff und seine Schwimm
fähigkeit entstand jedoch selten.
Erst die Erfindung der Bombenkanone durch den französischen Oberst Paixhans
im Jahre 1822, welche eiserne Hohlkugeln von 20 bis 25 ein Durchmesser schoß, die in
ihrem Hohlraum etwas über 1 kg Pulver enthielten, wurde den hölzernen Linienschiffen
verhängnisvoll. Diese Bomben oder Granaten rissen, wenn sie den Schiffsrumpf in der
Nähe der Wasserlinie trafen und dann krepierten, gewaltige unregelmäßige Löcher in die
Schiffswand, welche sich nur selten verstopfen ließen und demnach ein Sinken des Schiffes
zur Folge hatten. Auch verursachten die krepierten Granaten einen Brand im Inneren
des Schiffes, welcher meist verhängnisvolle Folgen hatte. Diese Wirkung der Bomben
oder Granaten zeigte sich zuerst im Jahre 1849 in dem Gefecht von Eckernförde, in
welchem durch sechs nassauische Geschütze ein dänisches Linienschiff und eine dänische
Fregatte kampfunfähig gemacht wurden. Doch erst die Vernichtung der türkischen Flotte
bei Sinope im Jahre 1853 durch die russischen Granaten, welchen die Türken nur ge
wöhnliche Kugeln entgegenzusetzen hatten, sowie die bedeutenden Schäden, welche die
verbündete englisch-französische Flotte im Krimkriege durch die Granaten der russischen
Strandbatterien zu erleiden hatte, veranlaßte die Verbündeten zum Bau gepanzerter,
schwimmender Batterien, von denen die französischen noch bei der Beschießung von Kinburn
im Oktober 1855 mit Erfolg in Thätigkeit traten. Die Voll- und Hohlgeschosse, welche
die Russen auf diese Batterien abfeuerten, zerschellten an den 110 mm starken eisernen
Schiffswänden und blieben wirkungslos. Diese Erfolge der gepanzerten Batterien führten
dann in Frankreich 1858 und bald darauf in England 1861 zum Bau von seefähigen
Panzerschiffen, und nun entwickelte sich zwischen Schiffsgeschütz und Panzer ein heftiger
Kamps, welcher in Zukunft die Grundlage bilden sollte für die weitere Entwickelung der
Schiffsartillerie.
Um die Durchschlagskraft der Geschütze zur Durchdringung des Panzers zu erhöhen,
ging man alsbald zum Bau von gezogenen Rohren über, welche Langgeschosse
feuerten, die sich zur Bekämpfung des Panzers besser eigneten. Der von den Amerikanern
anfänglich verfolgte Grundsatz, den Panzer durch das Anftrcffen möglichst schwerer Rund-
geschosse, die ans glatten gußeisernen Rohren unter Anwendung großer Ladungen grob
körnigen Pulvers gefeuert wurden, zu erschüttern und dementsprechend zu Bruch zu
bringen, fand keine Nachahmung und wurde auch später von den Amerikanern aufgegeben.
Es wurden zu diesem Zweck von Rodman Geschütze bis zu 50 ran Kaliber und 57 t Rohr
gewicht gegossen, welche bei 50 kg Ladung ein Geschoß von 500 kg feuerten.
Die Franzosen begannen zuerst mit dem Bau gezogener Geschützrohre, indem sie die
alten gußeisernen Rohre mit Zügen versahen, durch schmiedeeiserne Ringe verstärkten und
de» in Amerika erprobten Schraubenverschluß annahmen. Später wurden die alten guß
eisernen Rohre innen durch ein stählernes Seelenrohr, sowie außen durch stählerne Be
ringungen verstärkt, da das Gußeisen sich für die Züge zu weich zeigte und man Bedacht
nehmen mußte, das gußeiserne Rohr von dem plötzlich auftretenden Gasdruck zu entlasten.
Auch zeigten die gußeisernen Rohre meist von den Schildzapfen nach hinten Riffe.
Die Engländer setzten diesen Rohren das Lancaster-Geschütz mit glatter, aber
spiralförmig gewundener Bohrung von elliptischem Querschnitt entgegen, und bald folgte
Armstrong mit seinem gezogenen Hinterladegeschütz mit Bleimantelgeschossen. Dasselbe
bestand ans einem gußstählernen Kernrohr — A-Rohr — welches hinten durch ein massiv
geschmiedetes Hinterstück, vorn durch das L-Rohr und in der Mitte sowie um das Hinter-