fullscreen: Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
und der Optimismus, mit dem er die Apologie des Nichtinter 
ventionismus bei jeder Gelegenheit antritt, ihn in Widersprüche 
verwickeln und zu manchen gewagten Behauptungen verleiten. 
Wie hervorgehoben wurde, steht d’Avenei hinter Levas 
seur an Wissenschaftlichkeit zurück; aber in einer Hinsicht 
haben seine Werke vor denen Levasseurs einen Vorzug: sie 
haben einen größeren literarischen Wert. d’Av enei schreibt eine 
plastische, bilderreiche Sprache; er versteht die Kunst, den 
Geist der verflossenen Jahrhunderte in seiner Darstellung fühl 
bar werden zu lassen. Das Bedürfnis zur Synthese empfindet 
er weit lebhafter als Levasseur. Das hat zur Folge, daß er 
viel wirksamer als dieser die großen Zusammenhänge in der 
Wirtschaftsgeschichte Frankreichs herauszuarbeiten weiß. 
d’Avenels Aufsätze, die unter dem Sammelnamen 
Le Mécanisme de la Vie Moderne fortlaufend erscheinen 1 ), haben 
mehr publizistischen als wissenschaftlichen Charakter. Die 
Methode, nach welcher der Verfasser bei diesen Studien ver 
fährt, ist in doppelter Richtung vergleichend: zuerst vergleicht 
er die ausgiebigen und ungemein detaillierten statistischen und 
sonstigen Daten über französische, meist Pariser Verhältnisse, 
Betriebe oder Anstalten untereinander, und mit dem erheb 
lichen Material, das er sich auch aus andern Ländern zu 
beschaffen weiß. Dabei sucht er die Aufmerksamkeit seiner 
Landsleute auf nachahmenswerte Fortschritte des Auslandes zu 
lenken und wird nicht müde, die wirtschaftliche Stagnation 
Frankreichs immer wieder an seinen Vergleichen mit den aus 
ländischen Einrichtungen nachzuweisen. Dann gewinnen seine 
Studien noch bedeutend an Interesse durch die zahllosen 
historischen, meist ziffernmäßigen Vergleiche, welche seine 
umfassenden geschichtlichen Quellenforschungen ihm an die 
Hand geben. Trotz des großen Zahlenmaterials, das in den 
Aufsätzen verarbeitet ist, wird die Darstellung niemals schwer 
fällig oder ermüdend. Es gelingt dem Autor immer, interessant 
und geistreich zu bleiben, spielend weiß er durch die vielen 
’) Dieselben behandeln in buntem Durcheinander: Pariser Wohnungsver 
hältnisse — das moderne Hotelwesen — die weibliche Kleidung und die an 
deren Herstellung beteiligten Gewerbe — das moderne Kreditwesen — städti 
sches Transportwesen — Porzellan- und Steingutindustrie — Lebensversicherung 
— Pferderennen— Inseraten wesen — Warenhäuser — Schriftstellerhonorare usw.
	        
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