Full text : Leben und Lehre des Buddha

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I.  Einleitung.

„Ich  verfluche  Zarades,  Bodda  und  Skythianos,  die  Vorgänger
der  Manichäer".  Zarades  ist  Zoroaster,  Bodda  unser  Buddha.
Der  wesleyanische  Missionar  Spence  Hardy,  dem  wir  sehr  wertvolle ­
  Bücher  über  den  Buddhismus  verdanken,  fertigt  die  unleugbaren ­
  Übereinstimmungen  zwischen  Christentum  und  Buddhismus
mit  der  Bemerkung  ab,  Buddhas  Leben  sei  ein  Mythus,  seine
Lehre  eine  Masse  von  Irrtümern,  sein  Moralkodex  sei  unvollständig, ­
  und  seine  Religion  stütze  sich  auf  Grundsätze,  die  der  Unterlage ­
  entbehren.  Noch  schärfer  urteilt  der  Jesuit  Dahlmann.  Er
behauptet,  der  Grundgedanke  des  Buddhismus  sei  eine  tiefe  religiöse ­
  und  soziale  Unsittlichkeit.  Gerade  das  Gegenteil  ist  wahr.
Dahlmanns  Haß  gegen  den  Buddhismus  erklärt  sich  daraus,  daß
er  in  ihm  den  Protestantismus  Indiens  sieht,  was  ganz  unrichtig  ist.
Abgesehen  von  solchen  vereinzelten  Stimmen,  sind  die  christlichen ­
  Missionare,  die  mit  dem  Buddhismus  in  Berührung  gekommen ­
  sind,  darin  einig,  daß  die  Ethik  des  Buddhismus  gleich
hinter  der  des  Christentums  kommt.  Wie  Christus,  verwarf  Buddha
alle  äußerliche  Frömmigkeit  und  stellte  die  sittliche  Arbeit  an  sich
selbst  und  die  Nächstenliebe  an  die  Spitze  seiner  Lehre.  Seine
Gebote  und  Verbote  sind,  wenn  man  die  spezifisch  indischen  und
für  Indien  allein  nötigen  außer  acht  läßt,  wesentlich  dieselben  wie
die  Christi.  Beide  Religionsstifter  wenden  sich  nicht  an  einzelne
Klassen,  sondern  an  die  große  Masse  derer,  die  da  mühselig  und
beladen  sind.  Jede  Beurteilung  des  Buddhismus  von  einem  einseitig ­
  christlichen  Standpunkte  aus  muß  notwendig  schief  sein.  Wie
jede  andere  Religion,  muß  auch  er  beurteilt  werden  nach  dem
Volke,  bei  dem  er  entstanden,  und  nach  den  Zeitumständen,  unter
denen  er  ans  Licht  getreten  ist.  Es  ist  bis  heute  ein  Ünglück
für  den  Buddhismus  gewesen,  daß  sich  mit  Vorliebe  Laien  mit
ihm  beschäftigt  haben,  die  ihn  mit  ganz  falschem  Maßstabe  maßen,
weil  sie  die  Bedingungen  nicht  kannten,  die  ihn  hervorgerufen
haben.  Seit  Schopenhauer  in  ehrlicher  Bewunderung  erklärte,
daß  seine  Lehre  sich  in  großer  Übereinstimmung  mit  dem  Buddhismus ­
  befinde,  und  daß  er  geneigt  sei,  diesem  den  Vorzug  vor
allen  anderen  Religionen  der  Erde  zu  geben,  ist  der  Buddhismus
immer  mehr  Modesache  geworden.  Die  einen  suchen  auf  seine
Kosten  das  Christentum  zu  verherrlichen,  andere  dies  durch  ihn
herabzudrücken,  ja,  es  fehlt  auch  in  Europa  nicht  an  Leuten,  die
im  Buddhismus  die  Religion  der  Zukunft  sehen.  Sie  vergessen,
daß  ein  nach  Europa  verpflanzter  Buddhismus  aufhört  Buddhis-
            
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