Full text : Leben und Lehre des Buddha

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YII.  Die  Gemeinde  und  der  Kultus.

(S.  76).  Diese  drei  Kugeln  halten  die  eigentlichen  Gebetskugeln
in  ihrer  Lage  und  geben  dem  Betenden  an,  daß  er  mit  einer
Runde  fertig  ist.  Beim  Gottesdienst  werden  ferner  im  Lamaismus
verwendet:  Kirchenmusik,  Klingeln,  brennende  Kerzen,  Opferschalen,
Weihrauch,  Weihwasser.  Nimmt  man  dazu  den  Pomp  der  Kleidung
der  Priester,  ihre  Tonsur,  ihr  Gebetszepter,  die  Beichte,  die  Heiligenbilder, ­
  so  kann  es  nicht  wundern,  wenn  dem  ersten  katholischen
Missionar,  der  einem  Gottesdienst  der  Lamen  beiwohnte,  Huc,  derselbe ­
  wie  ein  „Blendwerk  des  Teufels"  erschien,  und  daß  seine  Schilderung ­
  desselben  sein  Werk  auf  den  Index  Ilbrorum  probibitorum
brachte.  Ohne  Zweifel  ist  vieles  aus  dem  Lamaismus  in  die  katholische
Kirche  gewandert,  die  ja  auch  Buddha  selbst  als  Josaphat  =  Bodbisattva
  unter  ihre  Heiligen  ins  Martyrologium  Eomanum  aufgenommen ­
  hat.  Auch  die  Sage  vom  Priesterkönig  Johannes  in
Asien  mag  in  letzter  Linie  auf  den  nördlichen  Buddhismus  zurückgehen.
Die  Zahl  der  religiösen  Feste  wurde  später  noch  vermehrt,  ist
aber  in  den  einzelnen  Ländern  sehr  verschieden.  Allen  gemeinsam
sind  drei:  das  Lampenfest,  ursprünglich  am  Ende  der  Regenzeit
abgehalten  und  mit  großer  nächtlicher  Illumination,  Predigt  und
Verteilung  von  Almosen  verbunden,  das  Fest  des  Frühlingsanfangs ­
  und  das  Fest  des  Geburtstags  Buddhas.  Sie
werden  in  den  einzelnen  buddhistischen  Ländern  zu  verschiedener
Zeit  und  in  mannigfacher  Weise  gefeiert.
Es  gibt  keine  Religion  der  Erde  aus  alter  Zeit,  deren  Geschichte ­
  schon  jetzt  so  klar  vor  Augen  liegt,  und  deren  Quellen  so
reichlich  fließen,  wie  den  Buddhismus.  Er  zeigt  uns,  wie  aus
einer  ursprünglich  sehr  einfachen,  kultuslosen  Lehre  eine  in  Formelkram ­
  und  pfäffischem  Schaugepränge  aufgehende  Kirche  entstehen
konnte.  Buddha  ist  an  der  Entartung,  die  seine  Lehre  im  Norden
erfahren  hat,  nicht  schuld.  In  den  alten  buddhistischen  Texten  tritt
uns  in  Buddha  ein  Mann  entgegen,  der  ein  bequemes,  üppiges
Leben  eintauschte  gegen  ein  Leben  voll  Mühsal  und  Entbehrungen,
und  der  von  der  Heimat  in  die  Heimatlosigkeit  ging,  um  die  Wahrheit ­
  zu  suchen.  Während  seines  langen  Lebens  hat  er  nur  Gutes
gewollt  und  Gutes  getan.  Ein  echter  Sohn  seines  Volkes  muß  er
als  Inder  beurteilt  werden.  Und  wer  dies  tut,  wird  nicht  Anstand
nehmen,  ihn  für  einen  der  größten  und  bedeutendsten  Männer  zu
erklären,  die  die  Weltgeschichte  kennt.

1)  Vgl.  Ernst  Kuhn,  Barlaam  und  Joasaph.  München  1894.
            
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