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weit sie in dem Präsidenten den Vertreter ihrer Partei
sehen, ihre Freude daran. Präsident Roosevelt, von dem
ich schon früher sagte, daß er ein instinktives Feingefühl
für kommende populäre Verschiebungen besitzt, hat auch
hier herausempfunden, wie die ganze Neigung eines wesent
lichen Teiles des amerikanischen Volkes gegenwärtig auf das
Repräsentative gerichtet ist. Der Amerikaner will sein Land
in strahlendem Glanze sehen und will, daß von dem Glanze
gesprochen wird.
Die Monroedoktrin, deren Grundgedanke ablehnende
Abwehr ist, war das Charakteristikum Amerikas im vorigen
Jahrhundert. Sein Charakteristikum im begonnenen fahr-
nundert ist der expansive Imperialismus. Man täte in
dessen unrecht und würde den innern, gleichsam psycho
logischen Zusammenhang unterschätzen, wollte man die
eben gekennzeichnete Wandlung nicht in ursächliche Ver
bindung damit bringen, daß sich in den Vereinigten Staaten
immer größere Lebensauffassungen kraftvoll vorbereiten
und formen. Man kann sogar sagen, daß der Imperialismus
selbst in gewissem Sinn eine Art Idealismus darstellt gegen
über der bei aller Selbstsicherheit etwas hausbackenen
Monroedoktrin.
Hohe sittliche Kräfte sind im amerikanischen Volke
lebendig, weisen jede Gemeinschaft mit Unlauterkeit und
Unsauberkeit an Personen und Dingen zurück und ringen
nach immer festerer Ausgestaltung. Überall ist das markige
Bestreben nach Weiterbildung erkennbar. Wissenschaft
und Kunst pflanzen sich beständig und tiefer ein, und das
Unabhängigkeitsgefühl ist gepaart mit aufrichtiger Wert
schätzung der schaffenden Arbeit.
Wo solche Gesinnungen heimisch sind, da ist man,
mögen noch manche Nebel den Pfad verhüllen, doch ziel
klar auf dem Wege zu stets höherem und erhebenderem