Buddhismus uub Evangelienliteratur.
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binii in Babylonien als Sohn eines nach Babylonien ausgewan
derten Persers geboren worden sein. Er machte große Reisen, die
ihn auch nach Indien und Turkestan führten. Er wurde 276 oder
277 gekreuzigt. Die Religion, die er stiftete, hat man als persischen
Gnostizismus bezeichnet. Er hatte starke Hinneigung zum Christen-
tume. Seine Schriften galten als verloren. Die Deutsche Expedition
nach Turkestan hat aber dort größere Fragmente gefunden, die in
einer Abart der syrischen Schrift, dem Estrangelo, geschrieben und
in altem, ganz reinem Mittelpersisch verfaßt sind. Ihre Entziffe
rung verdanken wir dem glänzenden Scharfsinn von Professor
F. W. K. Müller, Abteilungsdirektor am Königlichen Museum
für Völkerkunde in Berlin. In nicht geringer Zahl saßen in Tur
kestan auch syrische Christen. Die Syrer sind es gewesen, die die
Vermittler zwischen Orient und Okzident auch sonst gebildet haben,
wie z. B. auf dem Gebiete der Märchen und Fabeln. Die Heimat
eines großen Teils unserer Märchen und Fabeln ist Indien. Von
Indien wanderten sie nach Persien, von dort nach Syrien, von wo
sie durch die Araber nach Europa gelangten. Bei biblischen Ge
schichten, wie der von Simeon, und späteren Erzählungen in Apo
kryphen wird der Weg bis Syrien der gleiche gewesen sein. Es
ist doch kaum Zufall, daß alle Berührungen dieser Art zwischen
Christentum und Buddhismus sich gerade bei Lukas finden. Das
Lukasevangelium schreibt die Kritik dem letzten Viertel des 1. Jahr
hunderts nach Chr. zu, und nach glaubwürdiger Tradition soll Lukas
ein Syrer aus Antiochia gewesen sein. Erbauliche Geschichten, wie
die von Simeon, dürfen nicht anders beurteilt werden als die Märchen
und Fabeln. Ihrer Herleitung aus Indien steht nichts im Wege.
Auch Symbole, wie das christliche Symbol des Fisches, sind wahr
scheinlich durch die Syrer aus Indien ins Christentum gebracht
worden. Die Berührungen der Religionen scheinen auf dem Wege
von Indien nach China viel früher eingetreten zu sein, als man
bisher glaubte, und Turkestan spielt dabei eine hervorragende Rolle.
Bei dem Feste der Namengebung erschienen wieder acht Brah
manen, die schon früher einen Traum der Lla^ä ausgelegt hatten.
Der jüngste unter ihnen stellte fest, daß das Kind ein Buddha werden
würde. Nach der nördlichen Tradition tat dies ^.situ bei seinein
Besuche. Suddhodana war aber nicht damit einverstanden, daß
sein Sohn ein Mönch werden solle. Als er auf seine Frage ge
hört hatte, daß sein Sohn durch den Anblick eines Greises, eines
Kranken, eines Toten und eines Geistlichen bewogen werden würde,