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III. Das Leben des Buddha.
stand der heiligsten Verehrung der Buddhisten, und sie glaubten,
daß derselbe Baum an derselben Stelle sich ununterbrochen er
halten hatte. In der Tat stand in der Nähe von Buddha Gaya
ein uralter Feigenbaum (Kons rsligiosa), der sehr verfallen war,
bis ihn 1876 ein Sturm vernichtete. Er muß sehr oft erneuert
worden sein, da er wenigstens dreißig Fuß über der Höhe der
Umgebung stand. Ein Zweig von ihm wurde um die Mitte
des 3. Jahrhunderts vor Chr. nach Ceylon gebracht und bei
Lmurääbapura gepflanzt, wo er zu einem Baum wuchs, der noch
heute steht.
Über die Zeit nach der Erleuchtung haben wir einen zusammen
hängenden Bericht in einem alten Werke des Vinayapitaka, dem
Mahavagga, in schöner, altertümlicher Sprache. Dort wird be
richtet, daß der Heilige, nachdem er Buddha geworden war, sieben
Tage lang ununterbrochen mit übereinandergeschlagenen Beinen
am Fuße des Baumes der Erkenntnis saß, „die Seligkeit der Er
lösung genießend". Während der Nacht nach Ablauf der sieben
Tage ließ er dreimal die ganze Reihe der Verkettungen von Ur
sachen und Wirkungen, die das Leiden in der Welt hervorrufen,
an seinem Geiste vorübergehen. Dann verließ er die Stätte unter
dem Baume der Erkenntnis und ging zu dem „Baume des Ziegen
hirten". Hier verweilte er weitere sieben Tage. Eine gewiß jüngere,
aber immerhin noch ziemlich alte Quelle, das Nalläpariiiibbäiia-
sutta, fügt hier eine Versuchungsgeschichte des Buddha durch
Nära, den buddhistischen Teufel, ein, die der Text Buddha selbst
erzählen läßt. Mära forderte Buddha auf, in das Nirvana ein
zugehen, d. h. zu sterben, was Buddha ablehnte, weil er erst Schüler
ziehen und seine Lehre verbreiten müsse. Der Text schließt gleich
daran eine zweite Versuchungsgeschichte, die sich drei Monate vor
Buddhas Tode ereignet haben soll. Llära weist darauf hin, daß
jetzt alles eingetreten sei, was er früher gewünscht, und daß er
nun sterben möge. Buddha erwidert ihm, es werde in drei Mo
naten geschehen. Der Sinn der ersten Versuchungsgeschichte wird
ganz klar durch die ältesten Texte. An ihrer Stelle lassen sie den
Buddha zweifeln, ob er seine Erkenntnis für sich behalten oder
den Menschen lehren solle. Nichts anderes liegt in der Versuchungs
geschichte. In dieser ihrer ältesten Form hat sie gar keine Be
rührungspunkte mit der Versuchung Jesu, wohl aber in der jüngeren
Gestalt. Die jüngere südliche Tradition läßt Buddha schon vorher
versucht werden. Als er auf seinem Hengste mit dem Wagenlenker