Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

deutsche  Weltgeltung  steht,  ist  nicht  bloß  für  nahe  und  fernere  Teilnehmer ­
  als  Erhöhung  des  Bewußtseins  eigener  Arbeitsbedeutung  eindrucksvoll, ­
  sondern  es  muß  bei  allen  Mitkämpfern  für  ähnliche  Ziele,
bei  allen  Volksgenossen,  welche  in  der  Gegenwart  die  Tragweite  charaktervoller ­
  Tätigkeit  im  öffentlichen  Leben  ermessen  können,  ein  erhebendes
Gefühl  der  Befriedigung  wecken.
Aus  der  ganzen  Betätigung  der  Verlagsfirma  springt,  abgesehen  vom
umfangreichen  Buchverlag  seit  hundert  Jahren,  in  erster  Linie  die  große
Tageszeitung  in  die  Augen,  der  sie  in  umsichtiger  Mühewaltung  und
unter  Ausnutzung  der  modernsten  Entwickelungsmöglichkeiten,  mit  der
Zeit  kühn  fortschreitend  und  keine  Opfer  scheuend,  eine  gediegene  und
sichere  Grundlage  geschaffen  hat.  Im  Weltkriege  ist  es  allen  Deutschen
zum  Bewußtsein  gekommen,  in  welchem  Umfange  die  großen  führenden
Tagesblätter  auf  die  politischen  Kümpfe  der  unmittelbaren  Gegenwart
einwirken,  seitdem  wir  es  am  eigenen  Leibe  bitter  fühlen  mußten,  wie
die  Blätter  von  Paris,  London,  Rom  und  New  York  nicht  nur  in  den
eigenen  Ländern  den  Volkswillen  aufpeitschen,  sondern  in  der  ganzen
Welt  jene  starken  Stimmungen  schaffen  halfen,  welche  Millionen  von
Menschen  in  waffenstarrende  Kampfesstellung  zwingen.
Bei  der  Kölnischen  Volkszeitung  kommt  noch  in  Betracht,  daß  sie  zu
einem  führenden  Organ  der  deutschen  Katholiken  geworden  ist,  das  über
des  Reiches  Grenzen  weit  hinaus  in  fremden  Ländern  Beachtung  findet
und  somit  fruchtbare  Möglichkeiten  geschaffen  hat,  besonders  unter  den
Katholiken  des  Auslandes  als  Ausdruck  deutscher  Auffassungen  wirken
z u  können.  In  allen  Ländern  hatte  von  jeher  gerade  die  katholische
Presse  mit  ungeheuren  Schwierigkeiten  zu  ringen,  weil  es  viel  leichter
w ar,  begabte  Schriftsteller  zu  finden,  als  starke  und  lebenskräftige
Unternehmungen  zu  schaffen,  welche  die  finanzielle  Leistungsfähigkeit
uufbrachten,  um  die  jährlich  steigenden  Kosten  zu  tragen  und  die  von  der
neuzeitlichen  Entwickelung  verlangten  Vervollkommnungen  durchzuführen-In
  vielen  Ländern  bedeutete  die  Gründung  leistungsfähiger  katholischer
Zeitungen  ein  mühseliges  Ringen  mit  geldlichen  Schwierigkeiten.  Die  vom
gesteckten  idealen  Ziele  als  Bedingung  geforderte  grundsätzliche
Unabhängigkeit  solcher  Zeitungen  mußte  mit  den  wünschenswerten
Erwerbsmöglichkeiten,  wobei  besonders  an  den  Anzeigenteil  zu  denken
ist,  in  Widerspruch  geraten.  Die  vielfach  freiwillig  gewährte  Unterstützung ­
  durch  Einzelpersönlichkeiten  und  Vereine  schuf  wieder  Abhängigkeiten ­
  anderen  Charakters,  die  ebenfalls  die  innere  Spannkraft
e iner  Zeitung  notwendigerweise  herunterdrücken.
Ohne  eigene  Ueberhebung  oder  einen  Anflug  von  Jubiläumsstimmung
darf  heute  gesagt  werden,  daß  die  mutige  technische  Ausgestaltung  und
wirtschaftliche  Leistungsfähigkeit  der  Kölnischen  Volkszeitung  im  Auslande
vielfach  vorbildlich  wirkte  und  daß  sie  für  unternehmende  Katholiken
anderer  Länder  als  starker  vorandrängender  Antrieb  einen  auf  die
            
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