Full text: Leben und Lehre des Buddha

V. Buddhas Lehrweise. 
Es sind bereits Beispiele dafür gegeben worden, wie formelhaft 
die Reden und Gespräche Buddhas waren, wenn er zu seinen 
Mönchen sprach. Noch mehr wird dies die Betrachtung seiner 
Lehre selbst zeigen. Ganz anders verfuhr er, wenn er zum Volke 
in dessen Sprache redete. ES ist uns eine große Zahl von Er 
zählungen überliefert, die zeigen, daß Buddha dem Volke ein 
Heiland sein wollte und war. Eine der schönsten ist die Erzählung 
von Lisagotami, die Max Müller mit Recht „eine Probe des 
wahren Buddhismus" genannt hat. 
In Lrüvast; wurde in einer armen Familie ein Mädchen ge 
boren, das den Namen Gotami (Sanskrit Gautami) erhielt. 
Wegen seiner Magerkeit wurde es Kisägotami (Sanskrit Krsa- 
gautami), „die magere Gotami", genannt. Sie heiratete, wurde 
aber von der Familie ihres Mannes schlecht behandelt, weil sie 
ans einem armen Hause stammte. Als sie aber einen Sohn ge 
boren hatte, kam sie zu Ehren. Der Knabe starb, als er eben 
laufen konnte. Da sie bisher den Tod nicht gesehen hatte, wehrte 
sie den Leuten, die den Knaben forttragen wollten, um ihn zu ver 
brennen. Mit dem Gedanken: „Ich will für meinen Sohn ein 
Heilmittel erfragen," nahm sie den Leichnam auf ihren Schoß und 
wanderte von Haus zu Haus, indem sie fragte: „Wisset ihr nicht 
ein Heilmittel für meinen Sohn?" Da sagten die Leute zu ihr: 
„Hast du deinen Verstand verloren, o Tochter? Du wanderst um 
her, indem du ein Heilmittel für deinen toten Sohn erfragst." 
Sie aber sprach zu sich: „Sicher werde ich einen treffen, der ein 
Heilmittel für meinen Sohn weiß." Da sah sie ein kluger Mann. 
Er sprach zu ihr: „Ich, meine Tochter, weiß kein Heilmittel, aber 
ich kenne einen, der ein Heilmittel weiß." „Wer weiß eins, lieber 
Herr?" „Der Meister, meine Tochter, weiß eins; gehe hin und 
frage ihn!" Mit den Worten: „Ich will hingehen, lieber Herr," 
ging sie zum Meister, grüßte ihn, stellte sich seitwärts von ihm 
und fragte: „Weißt du ein Heilmittel für meinen Sohn, o Herr?"
	        
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