Volkstümliche Belehrung,
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„Ja, ich weiß eins." „Was für eins soll ich nehmen?" „Nimm
eine Prise Senfkörner." „Ich will sie nehmen, o Herr; doch aus
welchem Hause soll ich sie holen?" „Aus dem Hause, in dem
weder ein Sohn, noch eine Tochter, noch irgend jemand zuvor ge
storben ist." Sie sprach: „Gut, o Herr," grüßte den Meister, legte
ihren toten Sohn auf ihren Schoß und ging in die Stadt. An
der Tür des ersten Hauses bat sie um Senfkörner, und als sie ihr
gegeben wurden, fragte sie: „In diesem Hause ist doch wohl weder
ein Sohn, noch eine Tochter, noch irgend jemand zuvor gestorben?"
„Was sagst du? Der Lebenden sind wenige, aber der
Toten sind viel." Darauf wies sie die Senfkörner zurück und
wanderte von Haus zu Haus, ohne die gewünschten Senfkörner
zu erhalten. Da dachte sie am Abend: „Ach, es ist eine schwere
Arbeit, Ich glaubte, nur mein Sohn sei tot; aber in der ganzen
Stadt sind die Toten zahlreicher als die Lebenden." Als sie so
dachte, wurde ihr aus Liebe zu ihrem Sohne weiches Herz hart.
Sie warf ihren Sohn in den Wald, ging zum Meister, grüßte ihn
und stellte sich seitwärts von ihm. Und der Meister sprach zu ihr:
„Hast du die Prise Senfkörner bekommen?" „Ich habe sie nicht
bekommen, o Herr. In der ganzen Stadt sind die Toten zahl
reicher als die Lebenden." Da sprach der Meister zu ihr: „Du
meintest, nur dein Sohn sei gestorben. Das ist das ewige Gesetz
für die lebenden Wesen, Der König des Todes wirft ja, wie ein
reißender Strom, alle lebenden Wesen, ehe ihre Wünsche befriedigt
sind, in das Meer des Verderbens", und sprach dann, das Gesetz
lehrend, die Strophe: „Den Mann, der stolz ist auf Kinder und
Vieh, und dessen Geist am Irdischen hängt, den rafft der Tod
hinweg, wie die Flut ein schlafendes Dorf," Nach Beendigung
der Strophe erlangte LisLAotami die erste Stnfe der Heiligkeit.
Sie wurde dann Nonne, und Strophen von ihr stehen in den
BberiMbas. Die Erzählung ist, wie viele andere, in den Occident
gewandert, wo sich Parallelen finden.
Eine zweite Form der Belehrung, die Buddha sehr liebte, war
die durch Gleichnisse. Ein Beispiel gibt die oben (S. 41 f.) mit
geteilte Erzählung von Ursibllärackvasa, Mit Vorliebe zog Buddha
den Ackerbau und die Wasserflut zum Vergleich heran, oder Be
gebnisse des täglichen Lebens. „Zu Lrävasti", so sagte er einst zu
den Mönchen, „lebte einmal eine Hausfrau namens Vaidehikä.
Die Hausfrau Vaidehikä, ihr Mönche, stand in dem guten Rufe:
„Sanft ist die Hausfrau Yaidsllikä, ruhig ist die Hausfrau Yaide-