Full text: Leben und Lehre des Buddha

Das zweite Gebot. 
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der andern Religion Gutes. Wer anders verfährt, schädigt die 
eigene Religion und tut auch der andern Religion Übles. Denn 
wer immer seine eigene Religion hochpreist und eine andere Reli 
gion schmäht, der schädigt, während er die eigene Religion erhöhen 
will, um ihr Glanz zu verleihen, durch solches Tun die eigene 
Religion sehr. Einigkeit allein frommt, indem einer die Lehre des 
andern hört und gerne hört." Diese Toleranz ist dem Buddhis 
mus verderblich gewesen, namentlich überall, wo er mit dem Islam 
zusammentraf. 
Das zweite Gebot lautet: „Du sollst nicht stehlen." Das Dham- 
mikasutta sagt darüber: „ Ein verständiger Jünger des Buddha 
soll an keinem Orte etwas nehmen, was ihm nicht gegeben worden 
ist; er soll auch keinen andern veranlassen etwas zu nehmen, noch 
billigen, daß jemand etwas nimmt. Er soll nichts nehmen, was 
ihm nicht gegeben worden ist." Auch dieses Gebot hat seine posi 
tive Seite und besagt dann: „Du sollst geben." Nächst der Liebe 
ist bei den Buddhisten keine Tugend so ausgebildet wie die Frei 
gebigkeit, ja, manchmal kann es scheinen, als ob sie an die Spitze 
aller Tugenden gestellt werde. Dabei mag etwas Eigennutz im 
Spiele gewesen sein. Man muß bedenken, daß die Mönche nicht 
arbeiteten, sondern ganz auf die Freigebigkeit der Laien angewiesen 
waren. Es lag also in ihrem eigenen Interesse, diese Tugend mög 
lichst hoch zu stellen. Bon der Zeit des Egveda an haben die indischen 
Priester dies vortrefflich verstanden. Im Dhammapada heißt es: 
„Geizige kommen nicht in die Welt der Götter; nur Toren rühmen 
nicht die Freigebigkeit. Der Weise erfreut sich an Freigebigkeit 
und wird dadurch in jener Welt glücklich." Das Verdienst und 
die Belohnung steigert sich nach der Gesinnung, mit der der Geber 
schenkt. Die Lehre des Christentums, daß Gott einen fröhlichen 
Geber lieb hat, ist auch die des Buddhismus. Wer unwillig gibt, 
hat von seiner Gabe keinen Nutzen, sondern Schaden. Als der 
Herr einst im Yeluvana verweilte, so wird erzählt, kam dort ein 
Mann, der ein Bündel Zuckerrohr auf der Schulter hatte und an 
einem Zuckerrohr kaute. Hinter ihm ging ein tugendhafter, frommer 
buddhistischer Laie mit einem kleinen Knaben. Der Knabe ver 
langte unter Tränen nach einem Zuckerrohr. Der Mann aber gab 
ihm nichts. Als der Vater mit Hinweis auf das laut weinende 
Kind um ein Stück Zuckerrohr bat, warf der Mann es ihm schließ 
lich unwillig über die Schulter zu. Nach seinem Tode wurde er 
wegen seines Geizes unter den Gespenstern wiedergeboren und sein 
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