Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

"Wehberg  an.  1888  erschien  Wehbergs  erste  Bodenreformschrift:
  „Welches  ist  der  erste  Stand?  Beantwortet  im
Geiste  des  humanistischen  Sozialismus.“  Der  Grundgedanke
des  Buches  war  unter  anderen,  daß  es  in  Wahrheit  nur
einen  großen  Stand  zufriedener  und  glücklicher  Menschen
gebe,  den  der  geistigen  und  körperlichen  Arbeiter.
Am  16.  September  1888  erfolgte  in  Frankfurt  a.  M.  die
Begründung  des  „Bundes  für  Bodenbesitzreform“.  Flürscheim,
  der  zahlreiche  Gegner  außerhalb  der  Bodenreformbewegung ­
  hatte,  lehnte  die  Übernahme  des  Vorsitzes  ab
und  schlug  Wehberg  zum  Vorsitzenden  vor,  dessen  Wahl
einstimmig  erfolgte.  Letzterer  leitete  auch  die  erste  Generalversammlung ­
  des  Bundes  in  Köln  am  15.  September  1889
sowie  die  vom  1.  Januar  1890  ab  erscheinende  Wochenschrift ­
  „Frei  Land“.  Der  Bund  blühte  unter  seiner  Leitung
stetig  auf.  Die  anfangs  118  Mitglieder  zählende  Vereinigung
verdoppelte  sich  bald.  Wer  die  Schwierigkeiten  der  ersten
Organisation  kennt,  weiß,  daß  dieses  Resultat  nicht  gering
anzuschlagen  ist.  Leider  kam  es  schon  bald  zwischen
Wehberg  und  Flürscheim  über  die  Frage  der  Grundrente ­
  zu  Meinungsverschiedenheiten,  die  den  freiwilligen
Austritt  Wehbergs  aus  dem  Vorstande  des  Bundes  am
1.  Juni  1890  zur  Folge  hatten.  Die  in  diesem  Buche  enthaltene ­
  Schrift  „Die  Bodenreform  im  Lichte  des  Freihandels“ ­
  (1891)  enthält  im  einzelnen  die  Gründe  seines  damaligen ­
  Verhaltens.  Nach  der  Trennung  von  Flürscheim
trat  Wehberg  in  den  Vorstand  der  Stammschen  Bodenreformvereinigung ­
  „Der  Allwohlsbund“  ein,  die  aber  ohne
Bedeutung  blieb  und  schon  bald  wieder  einging.
Trotz  seiner  Opposition  gegen  die  leitenden  Ideen
des  Bodenreformbundes  hat  W  e  h  b  e  r  g  diesem  seine
Sympathie  lange  Zeit  bewahrt.  1894  hielt  er  noch  auf  der
Generalversammlung  einen  Vortrag  über  „Ehelosigkeit  und
Sozialreform  “.  Als  sich  Damaschke  im  September  1895  an  ihn
            
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