Die Verstaatlichung der Bergwerke.
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der Kohle für die Volkswirtschaft. Wenn der letzte
deutsche Bergarbeiterstreik als die Ursache der bis heute
noch dauernden Ausbeutung des Publikums von interessierter
Seite ausposaunt wurde, so ist das töricht. Die Arbeiter
haben erst höheren 'Anteil an der Ausbeute verlangt, als
bereits die Aufwärtsbewegung in der Industrie die Kohlen
preise anziehen ließ. Es war auch ihr gutes Recht, ein
menschenwürdiges Dasein angesichts der hohen Gewinne
der Bergwerksbesitzer zu haben. Der Streik ist lediglich
als Vorwand für die Ausbeutung, die die Nation sich ge
fallen lassen muß, benutzt worden.
Nicht allein Hausbrandkohle ist für den kleinen Mann
fast unerschwinglich, selbst die Industrie hat — wenn wir
von anderen Ursachen absehen — an der Belastung durch
hohe Kohlenpreise schwer zu tragen. Aus den Taschen
des Volkes müssen Millionen für den Mehrbedarf im Eisen
bahnbetriebe gezahlt werden. Und alles dieses, weil wir
erlaubt haben, daß die in beschränkter Menge vorhandene
und dadurch monopolistisch auszubeutende Kohle in die
Hände privater Unternehmer, welche kein höheres Gesetz,
als die Füllung ihres Geldsackes kennen, überantwortet ist.
Freilich wird auch hier ein Krach eintreten, aber erst, wenn
die übrigen Industrien, nicht zum wenigsten durch die Preis
steigerung, darniederliegen. Dann werden wir wieder das
Jammergeschrei der klugen Leute hören, welche die Papiere
bei hohem, schwindelhaften Kurse gekauft haben und nun
hereingefallen sind. Dann soll das Gemeinwesen den ge
prellten Gewerken zu Hilfe kommen.
Es geht dann den Zechenbesitzern, welche auf ihren hohen
Papieren sitzen geblieben sind, just wie den Agrariern in
Frankreich und anderen Orten. Sie fordern die Aufhebung
der Grundsteuer bzw. der Bergwerkssteuer als Rettung aus
ihren Nöten. Aber sie wissen nicht, daß diese winzige
Steuer keinen Druck ausübt, sondern daß die so krankhaft
■M
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