größten Zahl von Menschen einzureden verstehen,
daß sie ihre Interessen vertreten?
Wie dem auch in der Politik sein mag, in. der Wirt-
Schaft kann noch viel weniger als beim Staate von Ge -
samtinteressen die Rede sein. Zwar führen Gesetz-
zeber und Politiker, und leider auch noch in größtem Maße
wissenschaltliche Nationalökonomen, immer wieder die
„Interessen der Gesamtwirtschaft, der Allgemeinheit oder
des Gemeinwohls“ im Munde. Aber das ist nur eine
Phrase. In Wahrheit gibt es im Wirtschaftsleben nur
Interessen größerer oder kleinerer Grup-
Den, und von einem allgemeinen wirtschaftlichen
Interesse kann man höchstens insofern sprechen. als alle
Menschen ein Interesse an möglichst rationeller
Organisation des ganzen Wirtschaftslebens haben.
Und im letzten Grunde dreht sich auch nur darum der
Streit, der mit den Schlagworten Kaoitalismus und
Sozialismus bezeichnet wird. Der Sozialismus
glaubt, daß eine von oben herab organisierte Wirtschaft
— Wirtschaftssubiekt könnte dann heute nur der Staat
sein —, also
eine staatliche Verwaltungswirtschait
rationeller sei als die heutige. In Wirklichkeit hoffen
die Sozialisten nur, daß der Staat den Arbeitern mehr
geben werde, Die Anhänger der kapitalistischen Wirt-
schaftsordnung sehen die Vorzüge einer allgemein staat-
lichen _Wirtschaftsregelung nicht als erwiesen an. und was
die‘ Sozialisten bisher an Verteilungsgrund-
sätzen dafür produziert haben, ist so dürftig. daß
selbst verantwortungsbewußte Anhänger im Sozialismus
nichts anderes als ein noch höchst unklares künf-
tiges Ideal erblicken. So hoffen auch die Verfasser
der „Wirtschaftsdemokratie“. sofern sie mehr
sein wollen als nur Vertreter der Arbeiterinteressen, daß ihre
Vorschläge die Entwicklung zur sozialistischen Wirtschaft
Fördern werden. Aber über der Zunkunft darf kein
Wirtschaftspolitiker die Gegenwart vergessen, und niemand
wird bestreiten, daß es gerade in Deutschland die
dringendste Aufgabe ist. unser heuvutiges Wirtschafts-
‚eben möglichst rationell zu gestalten.
Die Verfasser der „Wirtschaftsdemokratie“ sprechen in
der üblichen Weise viel von‘ den „Interessen der
Allgemeinheit“ und kennen nur einen Gegensatz
zu diesem Begriff, das sind die „kapitalistischen
Interessen“, Es ist nun klar, daß die
sichtkapitalistischen Interessen mit denen der
Allzemeinheit keineswegs identisch
sind, Nicht kapitalistisch sind im wesentlichen nur die
Interessen der Arbeiter im weiteren Sinne, also einer zwar
zroßen Bevölkerungsschicht, aber keineswegs der Maiori-
tät, so daß auch mit der politischen Demokratie,
wie die Sozialisten jetzt gelernt haben — Marx wußte es
aoch nicht — nicht sehr viel für sie gewonnen ist.
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