Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die Wohnungsfrage. 
133 
künftige Produktion gespart werden. Dies letztere geschieht 
aber leider nur selten, denn die große schaffende Menge, — 
zu der auch die Bauern und Handwerker zu rechnen sind — 
bekommt ja nicht den vollen Ertrag der Arbeit. Es kann 
nicht jedes Produkt einen Käufer finden, denn die Reichen, 
welchen die Mittel, es zu kaufen, zugefallen sind, können 
beim besten Willen nicht alles verzehren. Sie sind daher 
gezwungen, ihr Geld sonstwie unterzubringen, um ihren 
Reichtum auf die bekannte Weise zu mehren. Die schaffenden 
Klassen — Arbeiter, Bauern, Handwerker und ein nicht 
unbeträchtlicher Teil kleiner Unternehmer — möchten gern 
kaufen, wessen sie so sehr bedürften: Wohnung, Kleidung, 
Nahrung. Aber sie haben die Mittel zum Tausche in Ge 
stalt von Pacht, Zins und Unternehmerprofit abgeben 
müssen. So haben wir einen Zustand, der uns allen als 
ein höchst betrübender bekannt, und der fälschlich mit dem 
Namen „Überproduktion“ bezeichnet worden ist. Denn in 
Wahrheit muß er „Unterkonsumtion“ heißen, da er allein 
aus der Unfähigkeit der geistigen und körperlichen Arbeiter 
entsteht, die vorhandenen Vorräte zu verzehren. Sie mußten 
ihre Ansprüche an die Produkte infolge der wirtschaft 
lichen und rechtlichen Entwicklung den Mächtigen abtreten. 
Es erfolgte ein Einschränkung der Gütererzeugung so lange, 
bis die gehäuften Vorräte entweder gekauft oder verdorben 
sind, wozu, wie uns die Tatsachen gelehrt haben, ungefähr 
13 Jahre nötig sind. In allen Berufen sinken die Löhne 
infolge der Verminderung der Arbeitsgelegenheit; die Lebens 
haltung, besonders der Lohnarbeiter, verschlechtert sich. 
Jedermann schränkt sich ein, und nicht zuletzt in seinen 
Wohnungsverhältnissen: Arbeiter, welche drei Stuben hatten, 
nehmen zwei, ja ärmere gehen auf eine zurück; Beamte, 
Gelehrte, Kaufleute, Handwerker richten sich, zumal bei 
teuren Lebensmittelpreisen, auf wenige Räume ein. Lang 
sam tritt auch ein Krach in der Bauspekulation ein, herbei-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.