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In einer Studie der »Arbeitsgemeinschaft deutscher Betriebs-
ingenieure« (1927) wird zwar dem Grundgedanken: »Beseitigung
der Verlustquellen in der Industrie«, wie ihn für Amerika Hoover
formulierte, zugestimmt, ebenso der Pflicht jedes einzelnen
Betriebsingenieurs, in seinem Werke zu untersuchen, wo Ver-
'uste vorkommen und wie sie zu beseitigen seien, aber doch daran
erinnert, daß der Deutsche — und das gilt wohl von den meisten
Völkern Europas — nicht den naiven Sinn des Amerikaners habe,
der willig einer Parole folgt; ihm fehle die Einheitlichkeit des Den-
kens und Handelns; die deutschen Werke haben oft — es ist dies
nicht immer ein Vorteil — ihre »Tradition«; die Organisationsform,
die Art der Zusammenschlüsse, die Regeln für die Festsetzung der
Löhne und Preise sind vielfach verschieden. Doch müsse man auch
in Deutschland für eine erfolgreiche Rationalisierung der Industrie
eintreten, schon aus elementaren Konkurrenzgründen, also auch für die
Beseitigung der Verlustquellen. Insofern nun auch Betriebsangestellte
sich dieser Aufgabe widmen, werde dies von der Betriebsleitung nicht
.mmer gelohnt oder anerkannt; doch gebe es auch schon viele gegen-
'eilige Beispiele, denn die Aufdeckung von Fehlern bedeute ja nicht eine
Bloßstellung des Werkes, sondern soll es fördern. Erfolge auf diesem
Gebiete seien sogar bekanntzumachen, um erzieherisch auf andere Be-
triebe zu wirken, also: fort mit der unklugen. »Geheimniskrämerei«!
in dem bekannten Buche, das Hoover über seinen »Feldzug«
gegen die Verlustquellen in der Industrie veröffentlichte, wird eine
sehr beherzigenswerte Liste von »Verschwendungen« (wastes) zu-
sammengestellt, die -— trotz der Reservationen der deutschen Be-
triebsingenieure — wohl internationale Geltung beanspruchen darf.
Diese Liste enthält folgende Tatbestände:
Spekulation, ungeordnete Marktverhältnisse: übermäßige Haussen,
dann wieder Arbeitslosigkeit und Bankrotte;
saisonmäßiger Charakter vieler Produktions- und Absatzzweige;
Mangel an Standards nach Qualität, Art und Maßen (Normung);
alsche oder unnötige Transporte;
ınzulängliche Information über vorhandene Gütermengen und
über ihre Produktions- und Absatzbedingungen; daraus folgen Risiko
und Spekulation;
ungeheurer Aufwand an Kraft und Geld für Reklame ohne genügende
nformative Grundlage; ruinöser Wettbewerb; zu viele Glieder in der
Verteilungskette und zu viele Ketten im Verteilungssysteme;