Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 
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hat sich die Zahl der Auswanderer vervierfacht und über 
steigt jetzt 25000 Seelen jährlich. Das fruchtbare Frank 
reich, welches nur 73 Seelen auf den Quadratkilometer zählt 
— in Deutschland kommen 87 Seelen auf denselben Raum — 
gehört jetzt zu den Ländern, welche ihre Söhne nicht mehr 
ernähren können und sie auswandern lassen müssen. Die 
Grundsteuer ist nach Auffassung der Petenten besonders 
drückend für die kleinen und mittleren Betriebe, welche 
27 Millionen von den 30 Millionen Hektaren landwirt 
schaftlich betriebenen Bodens ausmachen. 
Besonders werden sich tatkräftige Bauern, wenn sie 
sehen, daß es nicht mehr voran will, kurzen Entschlusses 
der Habe entledigen, und fortziehen. Anders dagegen 
wird es mit solchen Grundbesitzern sein, welche nicht 
selbst zu arbeiten gewohnt sind. Solche werden, solange 
w r ie immer möglich, auf dem Eigentume bleiben, da mit 
dem Verlassen desselben ihr Schicksal, zu darben, ent 
schieden ist. Auch werden sie seltener jemand finden, der 
nicht hoffte, in der Zwangsversteigerung das Besitztum 
billiger zu erstehen. Was auch noch alles in Betracht 
kommen mag, genug, die Versteigerungen bieten keinen 
Spiegel der gewachsenen Verschuldung. Wer die folgende- 
Tabelle durchmustert, sollte meinen, es müsse besser mit 
dem Grundbesitze geworden sein, da die Zahl der Zwangs 
versteigerungen im Laufe einer Reihe von Jahren ab 
genommen. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß im 
Jahre 1883 ein Fallen dieser Ziffern eingetreten. Das hat 
seine Ursache in dem Gesetze vom 13. Juli 1883, welches 
für Preußen gegen Mißbräuche bei der Zwangsvollstreckung 
ins unbewegliche Vermögen gegeben wurde. Nach dem 
bisherigen Rechte wurden alle Hypotheken durch die 
Zwangsversteigerung fällig und zahlbar. Der mit einer 
später rangierenden Forderung eingetragene Gläubiger hatte 
in der Einleitung des Zwangsversteigerungsverfahrens ein*
	        
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