Full text: Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die Bodenreform im Lichte des Freihandels. 
Bericht der Zeitungskorrespondenz für 
Grundbesitz.. 
„Seinem Vortrag legte der Referent eine die letzten 25 
Jahre umfassende Statistik des Grundbesitzes in Berlin unter, 
die er auf Grund des amtlichen Materials des Königlichen 
statistischen Amtes ausgearbeitet hat und die somit unantastbare 
Zahlen gibt. Darnach gab es in Berlin im Jahre 1865 rund 
14 00Ö Häuser mit 140 071 Wohnungen (also pro Haus 10 
Wohnungen), welche einen Gesamtwert von 966 708 326 Mk. 
repräsentierten und zwar im Bodenwert 208 080 000 Mk. 
Feuerkasse 758 628 356 Mk. Die H3'pothekenlast stellte sich 
auf 752 256 484 Mk. Der damalige Grundbesitz wies somit 
noch ein unverschuldetes Kapital von 214 451882 Mk. auf. 
Der Mietsertrag bezifferte sich auf 62 541 195 Mk. Dabei 
standen 4564 Wohnungen oder 3,26 Prozent leer. Subhas- 
tationen erfolgten 225 und freiwillige Verkäufe 1050. Die 
Hauptstadt zählte damals nur 600000 Einwohner. Von diesen 
14 000 Häusern, von welchen ein großer Teil nur die Bezeich 
nung „Hütte“ verdiente, sind indessen im Laufe der 25 Jahre 
ca. 10 000 den gesteigerten Ansprüchen an Behaglichkeit der 
Wohnräume zum Opfer gefallen. Neue Häuser sind entstanden, 
von größerem Umfang, deren jedes im Durchschnitt jetzt 17 
Wohnungen aufweist. Es steht deshalb die jetzt vorhandene 
Anzahl der Häuser mit der seit 1865 erfolgten 2 1 /2 fachen 
Vermehrung der Bevölkerung nicht im Einklang, wohl aber 
die der Wohnungen, an welchen sogar ein Überfluß vorhanden 
ist. Im vorigen Jahre (1889) wies Berlin nach dieser Statistik 
22 400 Häuser mit 385 000 Wohnungen auf, welche einen 
Gesamtwert von 5 320 970 400 Mk. repräsentierten und zwar 
an Bodenwert 2 757 370 400 Mk., an Feuerkasse 2 757 370 400 Mk. 
Die Hypothekenlast bezifferte sich auf 3 100 000 000 Mk. Der 
heutige Grundbesitz weist somit noch ein unverschuldetes 
Kapital von 2 220 970 400 Mk. nach. 
Die Ansammlung unverschuldeten Kapitals im städtischen 
Grundbesitz Berlins, der seit 25 Jahren von 214 1 /a Millionen Mk. 
bereits auf 2 Milliarden 221 Millionen Mk. angewachsen ist, 
dürfte wenig geeignet sein, die Klagen der Grundbesitzer zu 
unterstützen. Auch der Rückgang der Subhastationen weist 
eine Besserstellung der heutigen Grundbesitzer gegen vor 25 
Jahren nach, dieselben haben sich 1889 auf nur 60 beziffert. 
Die freiwilligen Verkäufe stiegen dagegen auf 2800. Der 
Mietsertrag repräsentierte im vorigen Jahre die Summe von 
256 Millionen Mk. Dabei standen 12 000 Wohnungen oder 
3,12 Prozent leer, und dieser Prozentsatz soll sich in diesem 
Jahre nach den Ermittelungen des „Bundes“ noch so erhöht 
haben, daß der „Bund der Grundbesitzervereine“ im Interesse
	        
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