56 Di© Bodenreform im Lichte des Freihandels.
Fleißes ihrer Arbeiter schadlos halten. Ohne Unterschied
sind die besitzlosen Arbeiter die Prügelknaben der heutigen
Ordnung, und keine feine Sophistik kann den Druck eines
ehernen Lohngesetzes*) wegleugnen, das ihnen nur das
zum Leben Notwendige läßt. Gelingt es ihnen auch im
Lohnkampfe, der überhaupt nur bei steigender Konjunktur
möglich ist, höheren Lohn zu erringen, steigende Mieten
nehmen ihnen ebenso wie steigende Kleinhandelspreise den
Yorteil, hereinbrechende Krisen geben sie dem Hunger
Preis. — Alle aber, welche von der Arbeit leben, sind
ausgebeutet, und oft sind die Lohnarbeiter besser daran,,
als die Arbeitgeber.
Gerade eine Zeit beginnenden Niederganges in den jetzigen
Tagen lenkt die Aufmerksamkeit von neuem auf diesen
Punkt. Die Zeit des Aufschwungs brachte den Lohnarbeitern,
vielfach freilich erst durch Streik, höhere Löhne, welche
ihnen später zufielen, während die Arbeitgeber am Schlüsse-
unbezahlte Rechnungen und unerfüllte Hoffnungen haben.
Denn wie ist zu erwarten, daß die hohen Preise für Fabrikate —
wir sehen von ländlicher Produktion ab, da dort die Ein
nahmen schon stetig sinken — von den Konsumenten bezahlt
werden, da diese doch nicht konsumfähiger geworden sind!
Gewonnen haben nur die, welche Eigentümer der Stätten
der Urproduktion für Fabrikate, der Rohstoffe, sind, besonders
von Eisen und Kohlengruben, resp. die Hypothekengläubiger..
Waren die Fabrikanten gezwungen, den Preiserhöhungen
für diese Stoffe nachzufolgen, andererseits höhere Löhne
zu zahlen, so haben die Lasten der Sozialversicherung den
Untemehmergewinn heruntergedrückt. Gewiß sind auch
*) Zur Vermeidung von Mißverständnis sei über den Begriff des
ehernen Lohngesetzes bemerkt, daß wir unter ehernem Lohngesetze
nicht, wie Marx dem Lassalle zuschrieb, ein ewiges, unabänderliches
Gesetz verstehen, sondern ein solches, welches zwar mit ehernem,,
hartem Drucke, wirkt, aber mit Beseitigung seiner heutigen Bedin
gungen fortfallen wird.