VI
Zur Erinnerung an Heinrich Wehberg.
ewig steigen werde, für verderblich hielt. Er hat diese
Überzeugung bis zum Ende seines Lebens vertreten, und
da er in allen Schriften davon ausging, daß bei einer or
ganischen Reform die Grundrente sinken werde, so fand er
infolge dieses mit der herrschenden Bodenreformrichtung
kollidierenden Grundsatzes seiner Arbeiten keinerlei Gehör.
Nur kurz haben die Bodenreformer in Nummer 24 der Zeit
schrift „Frei Land“ vom Jahre 1891 seine Bedenken zu
widerlegen versucht. Daß die Theorien Wehbergs aber
eine etwas größere Beachtung verdienen, geht nicht nur
daraus hervor, daß hervorragende Männer der Wissenschaft
bezüglich der Grundrente heute auf ähnlichem Standpunkte
stehen. Sogar Führer der Bodenreformbewegung sind später
schwankend an dem geworden, was der offizielle Bund ver
tritt. So schrieb dem Verfasser dieses der holländische
Bodenreformer Jan Stoffel am 18. Mai 1911: „Ich stehe
ganz auf dem Boden der von Wehberg vertretenen An
schauungen.“ Bekanntlich ist Stoffel einer der hervor
ragendsten Bodenreformer der ersten Zeit und auch stell
vertretender Vorsitzender des Bundes gewesen. Ebenso
bedeutsam ist aber, daß sogar Flürscheim, der Begründer
und allererste Vorkämpfer der Bewegung, Anfang 1911 eben
falls brieflich erklärte: „Vielleicht ist Wehberg bei dem
Streite um die Bodenrente dennoch im Rechte gewesen.“
Diese Tatsachen mögen erklären, weshalb hiermit noch
mals einige der Wehberg sehen Bodenreformschriften der
Öffentlichkeit übergeben werden.
Selbst wenn heute sowohl die Ansichten Wehbergs wie
diejenigen Flürscheims und Stamms für die praktische
Bodenreformbewegung keine Bedeutung hätten, so würde
daraus noch lange nicht folgen, daß man ihre Schriften
vergessen soll. Keine Bewegung, die zu einem machtvollen
Kulturfaktor geworden ist, tut gut daran, die ersten Vor
kämpfer der Vergessenheit anheimfallen zu lassen und nur