84
Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
Drahtstiften 19 604 t (28 993 t,) der Rückgang somit 9389 t
Die Verschlechterung der Handelsbilanz in den 7 Monaten be
trägt durch Mehreinfuhr von 137 635 T. und Minderausfuhr
von 117 527 t zusammen 255 162 t im Werte von mindestens
20 Millionen Mark, eine Summe, hoch genug, um sämtlichen
Eisenwerken Deutschlands eine sehr angemessene Verzinsung
zu bieten. Wenn die Verbände ihre Aufgabe erfüllen wollen,
so müssen sie sich nicht scheuen, den Ursachen dieser traurigen
Erscheinungen auf den Grund zu gehen und diese, mögen sie
sein, welche sie wollen, zu entfernen. So geht es auf die
Dauer doch nicht gut weiter.“
Nun, es wird noch eine Zeitlang so weiter und noch
schlechter gehen, bis unsere Industriellen einsehen werden,
daß trotz Aktiengesellschaften keine Rettung möglich ist,
bis man dem arbeitslosen Einkommen, der Unterkonsumtion,
ein Ende macht.
Geht es aber den Bauern, welche man auch durch Zölle
gegen das Ausland geschützt hatte, besser? Wo gleiches
Erbrecht vorhanden, wird die durch den Schutzzoll bewirkte
Steigerung der Grundrente — denn nur diese hat Vorteil —
in den Erbportionen zum Ausdruck kommen. Andere werden
durch hohe Kaufpreise des Bodens niedergedrückt, wenn,
wie es geschehen, die Preise der Produkte sinken. Kurz,
die Verschuldung ist, wie vorher ziffermäßig jiachgewie-sen,
riesenhaft gewachsen, die Bauern quälen sich um das tägliche
Brot. Es muß schlecht um die Landwirtschaft selbst stehen,
wenn es wahr ist, daß die zeitige Fleischteuerung zum
großen Teil nicht auf mangelhaftem Import von Vieh be
ruht, sondern auf dem fehlenden Angebot der inländischen
Viehzüchter, denen der Nachwuchs an jungen Tieren fehlt.
Daß im entvölkerten Osten der preußischen Monarchie
auch der Latifundienbesitz unter dem Notstände leidet, weil
er keinen Absatz für sein Getreide hat, zeigt folgender
Antrag des Abgeordneten Balan und Genossen, welcher in
der 47. Sitzung 1890 des Abgeordnetenhauses zur Ver-
iandlung kam:
„Die Staatsregierung zu ersuchen, zur Erleichterung des