Full text : Logik des Geldes

§  1.  Einleitung:  Alte  und  neue  Geldlehre.  3
wegs  Mathematik,  und  der  Stoff  unserer  Disziplin  ein  geschichtlich ­
  mannigfaltigerer.  Aber  ähnlich  wie  jenem  Mathematiker ­
  ist  dem  Nationalökonomen  zu  Mute,  wenn  jede
Woche  eine  neue  Broschüre  mit  der  freudigen  Mitteilung  erscheint, ­
  daß  ein  Mann  der  Praxis  den  Stein  der  Weisen,  »das
Wesen  des  Geldes«,  entdeckt  hat.  Der  Glaube  des  Publikums
an  die  Originalität  solcher  Geldlehre  pflegt  dann  freilich
weniger  in  der  schöpferischen  Phantasie  des  Autors  als  in
der  Naivität  der  Leser  und  des  Schreibers  verankert  zu  liegen.
Groß  aber  ist  der  Verdruß  der  wenigen,  die  ernst  und  gewissenhaft ­
  wenigstens  die  bekanntere,  als  »wissenschaftlich«
bezeichnete,  Literatur  studieren  und  zu  ihrer  Betrübnis  finden
müssen,  wie  oft  dasselbe  und  immer  wieder  dasselbe  vorgetragen ­
  wird,  während  der  jedesmalige  Autor  etwas  ganz
Neues  zu  sagen  behauptet.  Vielleicht  ist  dieser  Verdruß
schuld  daran,  wenn  man  jetzt  vielfach  den  radikalsten  Weg
gewählt  hat,  sich  mit  der  Unübersehbarkeit  der  Literatur  abzufinden ­
  :  Man  liest  gar  nichts  mehr,  um  höchstens  noch  zu
schreiben,  ein  circulus  vitiosus,  den  als  bestehend  zu  behaupten
kaum  eine  Übertreibung  ist.  Liegt  die  Ursache  dieser  letzteren ­
  mehr  betrübenden  als  belustigenden  Erscheinung  ferner
zu  einem  anderen  Teile  in  Mangel  an  Fachbildung,  Mangel
an  Geduld  und  der  Unfähigkeit  des  Laien,  schwierige  wissenschaftliche ­
  Werke  mit  Verständnis  zu  lesen,  so  treibt  nun
jener  eigentümliche  und  unwiderstehliche  Reiz,  den  die  Probleme ­
  des  Geldes  auf  menschliches  Denken  ausüben,  immer
wieder  zum  Schreiben.  Und  solange  es  Menschen  geben  wird,
und  solange  Bücher  gedruckt  werden,  müssen  auch  jährlich
zahlreiche  Schriften  erscheinen,  in  denen  uns  uralte  Gedanken
das  Wesen  des  Geldes  »neu«  enthüllen.  Dem  Fachmanne  aber
wird  man  es  verzeihen  müssen,  wenn  er  dabei,  wie  wir  eingangs ­
  feststellten,  zuweilen  die  Geduld  verliert.
Dennoch  bliebe  es  eine  Übertreibung,  wollte  man  die  Gelcl-1
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