Full text: Logik des Geldes

§ 1. Einleitung: Alte und neue Geldlehre. 
9 
Damit ist freilich etwas angedeutet, was manchen Leser 
verstimmen wird. Es mag zwar möglich sein, aus einzelnen 
Theorien über das Geld — wenn man ihnen nur mehr als sub 
jektive Bedeutung zugesteht —, nützliche, ja eminent bedeut 
same Konsequenzen für die Praxis abzuleiten; z. B. »richtige« 
Maximen für die Handhabung des Papiergeldes. Aber — 
die Bedeutung dieser und anderer Wissenschaft steht und 
fällt nicht mit ihrer Anwendbarkeit auf die Praxis. Ist doch 
die Wissenschaft keineswegs bloß dazu da, um Rezepte für 
die Praxis zu geben, existiert sie doch vornehmlich um ihrer 
selbst willen. Die Theorie des Geldes aber will Wissenschaft 
sein, sie ist wie die Philosophie weniger und doch mehr als 
Technik. Wozu sie da ist, und was sie nützt, diese Frage 
ist so naiv wie gleichgültig. Wenn unter den Männern der 
Praxis manche sind, die dies nie zu begreifen vermögen, so 
können wir ihnen nicht helfen. 
Dabei ist es wieder keineswegs methodologische Klarheit 
allein, was über die Bedeutung einer Theorie entscheidet. 
Unter den Männern der Praxis, die in naivem Glauben an ihre 
»Originalität« und in größter Unbefangenheit hinsichtlich des 
Wesens der Wissenschaft, oft nur zu agitatorischen Zwecken, 
ihre Gedanken über das Geld aussprechen, sind einzelne, 
denen wir zuweilen eine Perle verdanken, einen Einfall von 
größerer heuristischer Bedeutung, als mancher farblosen und 
gedankenarmen Studie eines Theoretikers zukommt, der auf 
die Korrektheit seiner Methode stolz ist. Und es liegt wieder 
in der Eigenart der Geldprobleme, daß wohl kaum irgendwo 
anders in so eminentem Maße wie hier die Grenzen zwischen 
Wissenschaft und Praxis, zwischen theoretisch-analysierender 
und politisierender Darstellung fließende sind und fließende 
sein müssen. Bambergers Schriften gegen den Bimetallis 
mus sind trotz ihres politisierenden Charakters eine' Fund 
grube für die wissenschaftliche Behandlung des Themas.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.