§ 4. Definitionen, Begriffe und Theorien. 21
Funktion des Ausgetauschtwerdens, des Gehens, Zirku-
lierens?
Wie hat nun die Logik die Entstehung des Geldbegriffs
zu erklären? Der Begriff des Geldes wird mit Hilfe des
Denkens (der Vernunft) erschaffen. In bezug auf den Stoff
des Denkens aber ist ein gewisser Spielraum gegeben. Unser
Denken kann überwiegend auf wirtschaftliche Erscheinungen
oder auf die formalen Regeln des Rechts, es kann überwie
gend auf das Materielle oder auf das Funktionelle gerichtet
sein. Wenn Knapp im Eingänge seines berühmten Werkes
verkündet: »Das Geld ist ein Geschöpf der Rechtsordnung«,
so ist das einseitig gedacht, aber wir können uns das Geld
so denken. Das Geld ist überhaupt nicht, sagt die Logik,
es wird gedacht, und es kann sehr verschieden gedacht wer
den. Klingen diese Sätze nicht so selbstverständlich, daß sie
eine Beleidigung für den Verstand unserer Leser scheinen?
Und doch muß man hinzufügen: Wenn man sie nur je wirk
lich beachtet hätte! Ließen sich sonst die Widersprüche der
verschiedenen Geldtheorien erklären, welche alle folgender
maßen verfahren: Ein bestimmter, notwendig einseitiger Be
griff wird jedesmal als der richtige angesehen. Alle anderen
werden als falsch hingestellt. So sagt man heute gern: »Das
Wesen des Geldes liegt nicht im Stoff, die Materie ist Neben
sache, unwesentliches Beiwerk, äußere Hülle, das Wesen des
Geldes liegt in der Funktion.« Derartige Urteile imponieren
dem Leser um so mehr, je apodiktischer sie ausgesprochen
werden. Und doch hat man nichts anderes getan, als einen
durchaus möglichen und neben anderen relativ berechtigten
als den Begriff hingestellt. Wäre man ganz ehrlich und sich
der Art seines Denkens bewußt, so würde man sagen: Wir
wollen den Begriff des Geldes jetzt immateriell, als Funk
tion denken.
Das Geld ist nicht. Der Begriff des Gelehrten, der jahre