68 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Oeldes.
Quantitätstheorie dadurch als unrichtig sich erweist, daß
man ihn jedem Laien klarmachen kann, so wenig ist die abgeklapperte
Lehre von den Eigenschaften der Edelmetalle
verkehrt oder auch nur unwesentlich.
Es ist nicht unsere Absicht, jenes allerdings abgeklapperte
Kapitel hier wieder aufzuführen. Wir setzen es vielmehr voraus.
Man kann es in fast jedem Lehrbuche mehr oder weniger
vollständig finden. Nur darum ist uns hier zu tun, ihm seinen
Platz in der Geldlehre anzuweisen und auf seine Konsequenzen
hinzudeuten.
Ist die endliche Befriedigung, die wir als logischen Abschluß
jedes Geldsystems postulieren, ist sie etwa im Edelmetall
schlechthin garantiert? Die moderne Geldlehre hat
hier starke Bedenken geltend gemacht, die wir schon öfter
berührt haben. Sie sieht in dem Stoffwert, dem »Eigenwert«
des Geldes, etwas höchst Problematisches. Begrifflich ist ihr
die Funktion im Gegensätze zur Substanz am Gelde die
Hauptsache, wo nicht das einzig Charakteristische. Historisch
meint sie eine allmähliche Verdrängung des Substanzwertes
durch den Funktionswert zu konstatieren. Die
Grenze zwischen Metall- und Papiergeld scheint ihr flüssig.
Beide sind für sie Kreditgeld und der Unterschied zwischen
ihnen gilt nur als ein quantitativer.
Demgegenüber haben wir festgestellt 1 , daß »die Formel
von dem bloß quantitativen Unterschied zwischen Metallund
Papiergeld doch nicht so ohne jeden Widerspruch hinzunehmen«
ist. Sie ist richtig in einem gewissen Sinne und
ist es doch wieder nicht. Quantitative Unterschiede werden
eben zuweilen zu qualitativen.
»Das Papiergeld hat nur eine Verwendung als Geld, als
1 Moll, Die theoretischen Probleme des stoffwertlosen Oeldes im
nationalen und internationalen Wirtschaftsleben. Weltwirtschaftliches
Archiv 1914, S. 101.