§ 3. Das alte Kapitel von den Eigenschaften der Edelmetalle. 71
Setzung eines Edelmetallgeldes von vornherein durchaus gegeben.
Freilich, wenn schon die Gelehrten darüber ganz uneinig
sind, wie stark der Grad dieser Entwertung im Falle
völliger Demonetisierung anzusetzen sei, — wie sollte man
von den Laien einheitliche und richtige Vorstellungen hiervon
erwarten? Es ist anzunehmen, daß beim Edelmetallgelde
die wirtschaftliche Logik nicht mit der gleichen Sicherheit
sich durchsetzen wird, wie beim stoffwertlosen Gelde. Das
Problem ist dort allzu kompliziert. So darf man durchaus
nicht glauben, daß in friedlichen Zeiten viele Menschen das
Edelmetallgeld deshalb bewußt als wertvoll behandeln, weil
man es zur Not einschmelzen und in Schmuck verwandeln,
oder auch nur, weil man das Metall stets im ln- und Auslande
verkaufen könnte; sie denken gar nicht so weit. Anderseits
werden auch die wenigsten von den einfachen Menschen
die Überlegung vollziehen, daß bei Demonetisierung der
Wert der edlen Metalle stark sinken würde. Jedenfalls aber
wird im Unterbewußtsein der meisten Menschen doch die
Vorstellung ruhen, daß Edelmetall schlechthin etwas Seltenes,
Wertvolles sei.
Für uns fragt es sich nun immer noch: Ist mit dem Vorhandensein
eines Geldwesens, soweit seine Zirkulation aus
Edelmetall besteht, wirklich die Möglichkeit partieller Entwertung
und nicht vielmehr etwas anderes gegeben?
Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein. »Unser Edelmetallgeldwesen
steht, wie das Papiergeld, mit der — vielleicht
überwiegend unbewußten — Voraussetzung, daß mit
ihm die endliche Befriedigung stets voll gegeben sei. Angenommen,
die Demonetisierung trete ein und mit ihr die
Entwertung. Dann würde der Staat seine Münzen zurücknehmen
und austauschen gegen das neue Geld, vielleicht
gegen ein Zeichengeld, das aber unserer Voraussetzung nach
wieder begründet sein müßte auf die Möglichkeit endlicher