74 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Geldes.
litische Machthaber und die internationale Bankwelt seit
langem bewußt auf eine »Entgoldung« der Völker hinarbeiten,
um sich zu bereichern und die Völker finanziell und politisch
beherrschen zu können. Die Ausführungen Schwarzwalds
verdienen noch ein besonderes Interesse, weil sie vor dem
Weltkriege entstanden sind, in einer Zeit, als man bei uns
die englische Politik noch keineswegs so zu beurteilen pflegte,
wie es durch eine Geschichte von Jahrhunderten nahe gelegt
wurde.
Es kann nicht unsere Aufgabe sehr,, die klaren Ausfüh
rungen dieses Autors im einzelnen zu wiederholen. Was
Schwarzwald uns gegeben hat, ist eine interessante Deu
tung eines Stückes moderner Weltgeschichte. Und bei eini
ger Abneigung gegen die Einseitigkeit seiner allzu »metalli-
stischen« Grundauffassung des Geldes, bei aller Skepsis
gegenüber der »Objektivität« jeder historischen Deutung,
bei aller Vorsicht gegenüber Prophezeiungen wird man die
Bedeutung der von Schwarzwald zusammengefaßten Tat
sachen ebenso anerkennen müssen, wie man die Einheitlich
keit und Geschlossenheit seiner Hypothese bewundern muß.
Heute wird man kaum noch glauben, daß es harmloser
Zufall oder bloße theoretische Verschrobenheit gewesen sei,
was die Engländer in ihrer Stellung zur indischen Währungs
politik geleitet habe. Dieselben Engländer, die der Gold
währung die Weltherrschaft ihres Sterlingswechsels ver
dankten, die für sich selbst jede Abweichung von der Gold
währung weit von sich, gewiesen hatten, sie wollten an
scheinend für Indien das Gold gerade nur so weit zulassen,
daß der englische Gläubiger befriedigt schien, während der
Inder im kritischen Falle mit sich entwertendem Silber und
Papier zufrieden sein mußte! Scheint es nicht weise einge
richtet, daß im Falle eines Krieges, eines Aufstandes, Indien
sein entwertetes Papier behält, dessen Kurs dann keineswegs