Full text : Logik des Geldes

78  Viertes  Kapitel.  Grundlegung  einer  wirtschaftlichen  Theorie  des  Geldes.

periums  z.  B.  würde  an  der  angedeuteten  Hypothese  der  Entgoldung ­
  kaum  vorübergehen  dürfen.
Der  Leser  mag  selbst  entscheiden,  ob  man  hier  mit  der
Knappschen  Lehre  weiterkommt  oder  mit  der  Schwarzwakk
sehen  Deutung.  Im  allgemeinen  wird  eine  Hypothese  um  so
brauchbarer  sein,  je  mehr  sie  erklärt.  Und  wenn  mehrere
Hypothesen  den  gleichen  Grad  innerer  Wahrscheinlichkeit  besitzen, ­
  so  wird  man  meistens  derjenigen  den  Vorzug  geben
müssen,  die  am  tiefsten  in  die  Kausalerklärung  hinabsteigt
und  am  meisten  zum  Nachdenken  anregt.  Es  wird  sogar  Fälle
geben,  wo  der  vorsichtige  und  kritische  Nationalökonom  eine
Theorie  um  ihres  heuristischen  Wertes  willen  selbst  da  anwenden ­
  wird,  wo  eine  andere  den  Vorzug  noch  größerer  Gewißheit ­
  bieten,  aber  zu  keiner  wesentlichen  Erkenntnis  verhelfen ­
  würde.
Es  kann  daher  nicht  zweifelhaft  sein,  welcher  von  beiden
Lehren  der  Vorzug  gebührt.  Eine  befriedigende  Theorie  des
Geldes  aber  muß  Raum  haben  auch  für  die  Fragestellung
Schwarzwalds,  während  sie  die  Einseitigkeit  der  prinzipiellen
Geldauffassung  dieses  Autors  1  vermeiden  und  auch  den  rich-5
  Die  prinzipielle  Geldauffassung,  die  Schwarzwalds  Aufsätzen  zugrunde
liegt,  will  nicht  neu  sein  und  ist  es  so  wenig,  wie  irgend  eine  Geldauffassung. ­
  Beruft  sich  doch  der  Autor  selbst  auf  Eugen  Dühring.  Jene
Dühringsche  Lehre  aber,  wonach  das  Metallgeld  den  Naturgesetzen  seinen
Ursprung  verdanke,  erscheint  uns  heute  ein  wenig  naiv.  Die  »metallistische«
Grundauffassung  enthält  eine  unannehmbare  Einseitigkeit,  sie  hat  den  unzerstörbaren ­
  Kern  dessen  nicht  in  sich  aufgenommen,  was  schon  Adam
Müller,  Graf  Buquoy  und  Samuel  Oppenheim  erkannt  haben.
Sie  besinnt  sich  zu  wenig  darauf,  daß  auch  der  Wert  des  Goldes  in  hohem
Grade  erst  durch  die  Goldfunktion  geschaffen  und  gehalten  wird,  daß  mit
einer  etwaigen  Demonetisierung  des  Goldes  unter  sonst  gleichbleibenden
Umständen  auch  ein  Teil  seines  Wertes  dahin  wäre.  Sie  steht  ferner  zu
wenig  in  Einklang  mit  dem  Relativismus  der  modernen  Wertlehre  österreichischer ­
  Schule,  wonach  nicht  der  Gattung,  sondern  nur  dem  konkreten
Gute  Wert  zukommt,  weil  der  Wert  nie  als  etwas  Objektives,  in  besonderen
Gegenständen  wie  im  Gold  Verkörpertes,  gedacht  werden  sollte.
Dennoch  scheinen  uns  die  genannten  Aufsätze  aus  den  erwähnten
Gründen  der  besonderen  Beachtung  seitens  der  Wissenschaft  wert.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.