Full text : Logik des Geldes

Der  Verfall  der  Ämter  im  17.  Jahrh.  u.  die  Reformbestrebungen.

170
Ausbruches  derartiger  Krankheiten,  die  anstecken  und  der  Umge
bung  Gefahr  bringen  könnten,  8  Personen  zum  Pflegen  der  Patienten
und  zum  fragen  der  Leichen  ein  für  alle  Mal  bestimmt  werden
sollten,  diesen  aber  alsdann  eine  Entschädigung  zu  Theil  würde.
Auch  sah  man  den  Ankauf  eines  „abgelegenen“  Häuschens  vor,
um  derartige  Erkrankte  isoliren  zu  können  (Art.  103—106).
Man  sieht  aus  dieser  gedrängten  Charakteristik  der  Verfassung,
dass  die  der  ganzen  Organisation  zu  Grunde  liegenden  (Gedanken
nicht  verloren  gegangen  waren,  man  vielmehr  sich  angelegen  sein
Hess  durch  sorgfältigere  und  eindringendere  Regelung  aller  Verhältnisse ­
  grössere  Gewähr  für  die  Zufriedenheit  Aller  mit  de
Handwerkern  zu  erlangen.  Die  städtische  Obrigkeit  zog  vont
Gewerbebetriebe  erhebliche  Vortheile.  Der  städtische  Säckel
füllte  sich  mit  den  Abgaben,  die  die  Ämter  zahlten;  die  Unterhaltung ­
  der  Kirchen  und  Prediger  wurde  durch  deren  Beisteuern
erleichtert;  die  Ämter  waren  es,  die  junge  rüstige  Mannschaft,
gelegentlich  gegen  Sold,  in  Kriegszeiten  stellten  und  bei  dr
henden  Gefahren,  wie  Eeuersbrünsten,  zur  Hand  waren.
dies  Alles  zu  erhalten,  durfte  man  die  Ämter  sich  nicht  selbst
überlassen,  sondern  musste  sie  stets  im  Auge  behalten.  Der
überwachte  ihre  Sitzungen  durch  die  Amtsherren;  er  behielt  sid
die  Entscheidung  über  Streitigkeiten  in  zweiter  Instanz  und  bei
gewissen  Angelegenheiten  von  vornherein  vor,  und  er  sorgte,  dass
ihre  Leistungen  die  Bevölkerung  befriedigten.  Dafür  garantirte  er  den
Handwerkern  das  ausschliessliche  Recht  zum  Betriebe  des  erwählten
Zweiges.  Die  Gewerbetreibenden  selbst,  die  wohl  wussten,  dasS
es  einer  steten  Beaufsichtigung  bedarf,  um  Säumigkeit  und  Nac  '
lässigkeit  nicht  auf  kommen  zu  lassen,  waren  mit  der  Kontrole  zufrieden. ­
  Sie  wachten  selbst  über  die  Handwerksehre  und  zogen
die  Übertreter  vorhandener  Bestimmungen  zunächst  vor  ihr  poruni'
sie  suchten  sich  durch  Lehr-  und  Gesellenzeit  und  Meisterstück
vergewissern,  dass  die  sich  dem  Amte  anschliessenden  Cienos  ^
auf  der  Höhe  der  Zeit  standen  und  allen  Ansprüchen  genüge^
könnten  ;  sie  überraschten  den  Meister  bei  der  Arbeit  in  sei
Werkstätte;  sie  brachten  den  Jüngeren  Männern  Zucht  und  gi*  ^
Ordnung  bei,  indem  sie  sie  zu  gegenseitigem  kameradschaftlich^^
Verhalten  und  zur  Achtung  der  selbst  gewählten  VertrauenspersoH^
anleiteten,  für  Ärmere  und  Erkrankte,  für  Wittwen  und  Wai
sorgten  und  allen  auf  ihrem  letzten  Ciange  das  Ehrengeleit  gab
Sie  ihrerseits  forderten  dafür  nur,  dass  man  sie  ungestört  •
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.