Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

448 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel. 
wohl, und das Unglaubliche geschah, daß man von Paris aus 
dem Gedanken nahe trat, ein Reichsland gegen fremde Angriffe 
zu schützen. Aber wie leicht vermochte sich dem nicht der andere 
Gedanke unterzuschieben, dies Land als Eigen des französischen 
Königreichs zu erwerben! War das nicht von französischem 
Standpunkte aus die beste Art dauernden Schutzes? 
König Friedrich brachte das Unerhörte fertig, einer solchen 
Politik Frankreichs begründeten Anlaß zur Verwirklichung zu 
geben. 
Seit der heldenhaften Abweisung des letzten großen habs— 
—ED— in 
ein Zeitalter territorialer Ausdehnung getreten. Appenzell und 
St. Gallen traten der Eidgenossenschaft bei; man suchte sich 
jenseits des Gebirgs, in Bellinzona, festzusetzen; man dehnte 
sich nach dem Bodensee aus und nahm Hsterreich den Aargau 
weg (1418). Nicht lange danach aber kam es zu heimischen 
Zwisten. Im Jahre 1486 starb der letzte Graf von Toggen⸗ 
burg; mit Helm und Schild ward er nach alter Sitte begraben. 
Um sein reiches Erbe, das Länder vom Züricher See bis ins 
Prätigäu umfaßte, entbrannte ein Kampf zwischen Zürich und den 
Schwyzern, die sich von den meisten Eidgenossen unterstützt sahen; 
in ihm unterlag Zürich (1439). Aber die reiche Stadt beruhigte 
sich dabei nicht; am 14. Juni 1442 schloß sie ein Bündnis 
mit König Friedrich, dem Habsburger, das ihr das toggen⸗ 
burgische Erbe, dem Hause Osterreich den entrissenen Aargau 
verschaffen sollte: zugleich sollte eine große Eidgenossenschaft 
der Nordschweiz, Rätiens, Vorarlbergs und Schwabens unter 
Züricher und österreichischer Flhrung begründet werden. Darauf 
erklärten die Schwyzer den Zürichern von neuem den Krieg 
und besiegten sie; und die habsburgische Hilfe versagte. 
In dieser Lage, die sehr leicht zu schweizerischen Angriffen 
auf das Haus Habsburg hätte führen können, geriet König 
Friedrich auf einen schmählichen Gedanken. Er erbat sich 
vom französischen Könige die Armagnaken zu seinem Schutze. 
Gern ließ Karl VII. sie diesem Rufe folgen. Ohne daß ihr 
Verhältnis zum Reiche und zum Könige irgendwie genauer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.