2. Die Phönizier.
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^ nur Venedig, hinsichtlich der Völkertypen und des Geschäftslebens Konstanti-
pel, Alexandria und Kalkutta zusammengenommen die Grundlinien liefern könnten,
x In seiner Blütezeit soll Tyrus 700 000 Einwohner gehabt haben. Nördlich
^ ö on lag das kaum minder bedeutende Sidon, das mit Tyrus in der Führerschaft
E^tteiferte, und um diese beiden Doppelsterne ordneten sich die anderen Städte des
^wen, aber wunderbaren Landes, das von seinem schmalen Küstenstrich aus eine
von Arbeit und Produktion bewegte. Denn fast im ganzen Umfange der alten
^ dlt beschäftigten die phönizischen Reeder, Kaufherren und Grohkapitalisten nah
VW?" fern, in Handel, Bergbau, Landwirtschaft und Industrie vielleicht mehr Millionen
Äschen, als ihr Land selbst Hunderttausende zählte,
sw. Phönizien war gleichsam nur die Krone eines Baumes, dessen Zweige und
® Ur 3eln sich über die alte Welt hinzogen. Den Stamm dieses Geflechtes bideten die
' Nonien: „Die Niederlassungen der Phönizier," sagt Curtius, „sind fast über den
^Zen Erdkreis ergossen."
c Das einfachste Band zwischen dem Mutterlande und seinen Kolonien bildeten
^Nndel und Verkehr. Nach dem Propheten Ionas gingen täglich von Tyrus Schiffe
^ • Die Kriegs- und Handelsflotte war größer als jemals die venetianische und nur
modernen englischen vergleichbar. Einer Kriegsflotte von 300 Dreiruderern
^gten 3000 Lastschiffe mit Proviant und Beiwerk, und die Erhaltung der 60 000
^uderknechte und Matrosen auf jenen Dreiruderern kostete jährlich gegen 200
Mionen Jl. Die Phönizier waren übrigens keine zu Schiff gestiegenen Landratten
>e die Römer und keine bloßen Küstenfahrer wie die Griechen, sondern sie wagten sich
die hohe See; das gefährliche Rote Meer und besonders die Atlantis waren
dre Schule. Ob sie nicht schon nach entfernten ostasiatischen Inseln, vielleicht sogar
Mch Amerika gelangten, mag hier ununtersucht bleiben. Bemerkenswert bleibt
Mnerhin im Zusammenhalte mit anderen Nachrichten die Meldung Diodors: „die
Phönizier hätten sich in den Ozean hinausgewagt und seien durch heftige Stürme
eine Insel, reich an Wasser und allen Früchten, verschlagen worden." Ohne
Zweifel besaßen sie jene scharfgebauten Kielschiffe, welche später im Mittelmeere Ver
ben gingen und erst mit den kühnen Germanen wieder erschienen. Sie verstanden
Q s Segeln gegen den Wind und richteten sich bei Nacht nach dem Polarsterne,
Während die Griechen nach dem unsicheren Großen Bären hielten. Hatten sie die
Orientierung dennoch verloren, so ließen sie Tauben fliegen und schlossen danach auf
^ einzuschlagende Richtung: Tauben waren deshalb heilige Vögel und wurden, wie
^rute noch in Venedig, auf den Plätzen der phönizischen Städte, frei umherschwär-
Nend, ernährt. Durch all diese Hilfsmittel erreichten die Schiffe der Phönizier eine
bewundernswerte Schnelligkeit. Diese Durchschnittsschnelle soll 25 Meilen in 24
stunden Tag und Nacht gewesen sein. Ein Dampfer fährt heute von Tunis nach
Mdiz in 4%—5 Tagen. Skylax rechnet von Karthago bis zu den Säulen des Herkules
Munis bis Cadiz) 7 Tag- und Nachtfahrten, macht also bei einer Entfernung von
240 geographischen Meilen für einen Tag 3iy 2 Meilen. Gutgebaute Dreiruderer
düngen aber noch viel schneller, und es wird uns berichtet: eine solche Kriegsjacht
^it dem Pferdekopfe als Sinnbild am Sterne habe an einem Sommertage (ohne
Nachtfahrt) über 30 Meilen zurückgelegt.
Neben diesen Schnellfahrern spielte auch das breitbäuchige Lastschiff, das
an den Küsten herschlich, seine große Rolle. Zahlreich waren die Kaufleute, die, mit
solchen Schiffen von Hafen zu Hafen und von Volk zu Volk fahrend, eine Art
Hausierhandel trieben. Ein Trompetengeschmetter lud die biederen Landbewohner
Zur Besichtigung der mitgebrachten Herrlichkeiten ein, die entweder auf dem Schiffe
oder auf der Küste unter Zelten aufgestellt wurden. Die Ladung bestand meist aus
Waffen, Hacken, Schaufeln, Heugabeln, Messern, Riemen, Röhren, Leuchtern, Wagen,