78 Zweiter Teil. Handel. III. Zur Geschichte von Handel und Industrie rc.
100 Millionen Sesterzien (ca. 22(4 Millionen Jl) beziffert, bewegte sich also noch iy
ziemlich engen Grenzen. Bei dem Mangel an Interesse der heimischen Bewohner bliest
auch die Handelsgesetzgebung ziemlich vernachlässigt. Die Abgaben für den Verkehr
zu Lande und zur See waren sehr drückender Natur, die Einnahmen waren ay
Generalpächter vergeben, die Handelspolitik war demgemäß von rein fiskalische^
Gesichtspunkten beherrscht.
Die Wanderungen der germanischen Stämme führten zur Zertrümmerung des
römischen Reiches. Die Osthälfte des Reiches entstand als Griechisches Kaisertum mst
der neuen Hauptstadt Konstantinopel, welche nun einen Teil jener Rolle über»
nahm, die bis dahin Rom als Mittelpunkt des Welthandels gespielt hatte. Ihre außer»
ordentlich günstige Lage ließ sie zum Stapelplatz für den Handelsverkehr mit Vorder»
asten als prädestiniert erscheinen. Dieser Handel nahm insbesondere zur Zeit der
Kreuzzüge einen großen Aufschwung, kam aber immer mehr in die Hände der
Fremden, insbesondere der Italiener, nachdem die italienischen Seestädte in lebhafter
Konkurrenz untereinander von den griechischen Kaisern wertvolle Privilegien erlangt
hatten. Überhaupt war der Handel unter den griechischen Kaisern nur in so fern
Gegenstand staatlicher Fürsorge, als er zur Vermehrung der kaiserlichen Einnahmen
geeignet war. Viele Handelsartikel, darunter sogar die notwendigsten Lebensmittel,
wie Getreide, Wein und Öl, wurden dem privaten Unternehmungsgeist entzogen und
zum Gegenstände staatlicher Monopole gemacht, die unter der Verwaltung von rück
sichtslosen Finanzbeamten zu einem wirtschaftlichen Despotismus ausarteten. Unter
diesen Verhältnissen wurde es den italienischen Städten, die durch die Kreuzzüge die
direkten Beziehungen zu den Küsten Vorderasiens angeknüpft hatten, nicht schwer.
Konstantinopel die Handelssuprematie vollständig zu entreißen.
Die Araber haben sich bereits in den ältesten Zeiten als Handelsvolk hervor
getan, sie haben auch neben den Phöniziern eine große Rolle gespielt. Die römische
Herrschaft hatte ihnen einen starken Damm entgegengesetzt; mit um so größerer Kraft
brachen sie aber in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts hervor, fanatisiert durch
ihren neuen Glauben. Der Mohammedanismus eröffnete dem kaufmännischen Unter
nehmungsgeiste neue Bahnen, zumal der Prophet selbst Geschäftsmann gewesen war.
Viele religiöse Vorschriften und Einrichtungen dienten auch dem Handelsverkehre; die
regelmäßigen Pilgerfahrten nach Mekka führten Kaufleute aus allen Gegenden zu
sammen und boten die nötigen Vorbedingungen für einen größeren Markt, die
Schaffung von Brunnen und Zisternen, die Errichtung von Karawansereien usw.
mußten dem Warenhandel großen Vorschub leisten. Die Eroberungen der Arabev
in Syrien und Palästina, Ägypten, Nordafrika, Spanien, Unteritalien usw. zerstörten
nicht die, zahlreichen hochentwickelten Kulturstätten, sondern machten sie nur dem
arabischen Handel dienstbar, der durch zwei Jahrhunderte das Mittelmeer beherrschte
und sich in die ganze damals bekannte Welt erstreckte. Der Mittelpunkt des Handels
verkehrs zwischen dem Morgen- und dem Abendlande war nun Kairo. Die Zersplitte
rung des Reiches durch Usurpationen und Eroberungen untergrub schließlich die
kommerzielle Bedeutung der Araber.
Nach der Teilung des römischen Reiches war die italienische Halbinsel ein Spiel
ball des wechselnden Kriegsglückes jener zahlreichen Völkerschaften, welche um den
Besitz derselben stritten. Nur einzelnen günstig gelegenen Städten gelang es, den
zeitweise ganz unterbundenen Handelsverkehr wiederanzuknüpfen. Unter diesen
Städten erhob sich zuerst A m a l f i, ein kleiner Hafenplatz am Golf von Salerno,
zu großer Bedeutung. Amalfi hatte ein freundschaftliches Verhältnis mit den Arabern
angeknüpft, die sich in Sizilien und Unteritalien festgesetzt hatten, und dehnte auf
Grund dieser Beziehungen seine Handelsfahrten nach den syrischen und nordafrika
nischen Häfen aus. Eine wichtige Handelsniederlassung wurde in Konftantinopel