3. Griechen und Römer, Araber und Italiener. 70
begründet. Die Seegesetze Amalfis (tabula Amalfitana) wurden zum geltenden
Seerecht im Mittelländischen Meere. Gegenüber der aufstrebenden Größe von Pisa,
Genua und Venedig vermochte sich aber Amalfi nicht zu halten.
Pisa hatte sich durch die mit Genua durchgeführten siegreichen Kriege gegen
die Araber im 11. Jahrhundert emporgeschwungen. Die verbündeten Flotten Pisas
und Genuas vertrieben die Araber von Sizilien und Sardinien. Durch die Unter
stützung der Kreuzfahrer erlangte Pisa wertvolle Handelsprivilegien in den verschie
denen morgenländischen Städten und bahnte einen lebhaften Verkehr mit der Levante
an. Die Stadt unterlag jedoch im Kampfe mit dem rivalisierenden Genua (1284) und
verfiel seitdem sehr rasch.
Genua war bereits zu Römerzeiten ein günstig gelegener und viel benutzter
Handelsplatz. Es hatte mit Pisa siegreiche Kämpfe gegen die Araber bestanden und
auch durch die Kreuzzüge viele Vorteile erhalten. In Konstantinopel hatten durch
die Begründung des Lateinischen Kaisertums (1204) die Venetianer die Oberhand
gewonnen, die Wiederaufrichtung des griechischen Kaiserthrones (1261) setzte aber die
Genuesen an deren Stelle, welche sich um die griechische Dynastie hervorragende Ver
dienste erworben hatten. Von da an datiert die Blütezeit Genuas, welches nun auch
den Handel im Schwarzen Meere an sich riß. Der genuesische Seehandel vermittelte
Zum größten Teil den Verkehr der europäischen Länder mit der Levante. Die Partei
kämpfe im Innern, namentlich aber der unglückliche Krieg mit der mächtigen Rivalin
Venedig (1378—1381), verdrängten Genua aus der Vorherrschaft, doch blieb die
Stadt auch späterhin noch ein wichtiger Punkt des europäischen Welthandels.
Venedig hatte bereits im 7. Jahrhundert durch Wahl eines eigenen Führers
(Dogen) einen erfolgreichen Anlauf zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit genom
men. Durch die Bekämpfung der sarazenischen Seeräuber hatte es im Adriatischen
und Mittelländischen Meere die für den Handel notwendige Rechtssicherheit hergestellt
und dadurch großes Ansehen gewonnen. Die Kreuzzüge erweiterten den Einfluß
auch dieser Handelsrepublik, insbesondere hat die Eroberung Konstantinopels durch
die Kreuzfahrer (1204) den Venetianern wertvolle Privilegien in dem neubegründeten
Lateinischen Kaisertum gebracht. Eine Vorstadt Konstantinopels, Pera, wurde ihnen
ausschließlich zugewiesen, der Verkehr im Schwarzen Meere war fast vollständig in
ihren Händen. Der Sturz des Lateinischen Kaisertums beraubte sie zwar dieser Vorrechte
Zugunsten der Genuesen, sie suchten sich aber durch die Anknüpfung neuer Handels
verbindungen dafür zu entschädigen. Sie setzten sich in Alexandrien fest, das damals
der wichtigste Stapelplatz für den Warenhandel nach Indien war, und wußten sich
durch günstige Verträge den Zugang zu den syrischen und ägyptischen Hafenplätzen
zu verschaffen. Auch zu Lande stand später Venedig in lebhaftem Handelsverkehr mit
Deutschland, Polen und den Niederlanden. Die deutschen Kaufleute besaßen in Ve
nedig ein eigenes Kaufhaus (Fondaco dei Tedeschi). In der Blütezeit im 14. Jahr
hundert verfügte die Republik über eine Handelsflotte von 3000 Kauffahrteischiffen.
Sie inaugurierte auch zum erstenmal eine planmäßige staatliche Handelspolitik, aus
der die späteren merkantilistischen Schriftsteller vielfach ihre Beispiele nahmen. Sie
erleichterte die Einfuhr von Rohstoffen und die Ausfuhr von Fabrikaten, schützte aber
die heimischen Kaufleute in jeder Weise gegen die fremde Konkurrenz. Eine Flotte
sorgte für die Rechtssicherheit im Seeverkehr, ein eigenes Seerecht (Oonsulado dei
Mars)*) kodifizierte die für den Seeverkehr nötigsten Bestimmungen. An den wichtig-
sten Handelsplätzen wurden Konsulate ins Leben gerufen, welche die Interessen des
heimatlichen Handels zu schützen hatten. Zur Erleichterung des Geldverkehres wurden
Banken errichtet. Den stärksten Stoß erhielt die Handelssuprematie Venedigs durch
) Der Ooosolst äsl mar stammt aus Barcelona (14. Jahrhundert). — G. M.