5. Die Bedeutung der Hanse.
85
$Qi^ er ' nicJ)t f eüen aber auch beide dem Kaufmannsstande an. Von „unseren
di"?lleuten nebst den übrigen Mitbürgern" sprechen die Missivbücher des Rates
"er Stadt.
5. Die Bedeutung der Hanse.
Von Dietrich Schäfer.
Schäfer, Die Hanse. Bielefeld und Leipzig, Velhagen & Klasing, 1903. S-134—136.
jjj. Der großartige Aufschwung deutschen Seehandels und deutscher Schiffahrt, den
ten l e ** ber Begründung unserer wirtschaftlichen und staatlichen Einheit erleben dürf
et' gelegentlich Anlaß geworden, mit einer gewissen Geringschätzung von den
^.6en Grenzen althansischer Tätigkeit und ihrem bescheidenen Können zu sprechen.
^ an hat darauf hingewiesen, wie unbedeutend auch der blühendste Handel der alten
wdte gewesen sei, verglichen mit dem Treiben, das sich in unseren großen Verkehrs-
^ btren abspielt. Es kann entgegnet werden, daß man sich vor einer Unterschätzung
Alten hüten muß; aber das ist nicht das Entscheidende. Ausschlaggebend ist,
aß es bei einer vergleichenden Beurteilung auf den Umfang des Verkehrs gar nicht
^kommt, sondern auf die Rangstellung, die eine Nation in ihrer Zeit einnimmt.
hg ist der Hanse, unvollkommen, stück- und flickwerks artig, wie sie unseren mo-
^^ben Augen erscheint und auch in mancher Beziehung wirklich war, doch das Ver-
nicht abzusprechen, daß sie durch Jahrhunderte deutsches Volk und deutsche
^beit zur See und im ganzen europäischen Norden nicht nur würdig, sondern gele-
«^Ntlich geradezu glänzend vertreten hat, daß es ihr gelungen ist, nicht nur ein Herr
n S Eigenen Handels zu bleiben in einem Umfange, wie das gleichzeitig keine andere
, Q tion des atlantischen Europa vermocht hat, sondern auch im fremden Zwischen-
Oandel eine Bedeutung zu gewinnen, der die keines anderen Volkes gleichkam. Mehr
^ in unseren glücklichen Tagen auch nicht erreicht; im Gegenteil, man kann sagen,
wir von einer derartigen Stellung innerhalb des gegenwärtigen Verkehrslebens
wch rec jj{ toeit entfernt sind, auch hinzufügen, daß wir geringe Aussicht haben, sie
'^wieder völlig zu erringen. Denn die Tatsache, daß sich die Engländer in ihrem, dem
n te >i hansischen ähnlichen, kaum wesentlich stärkeren Übergewicht allem Anschein
auch nicht zu behaupten vermögen, spricht nicht dafür, daß es so bald wieder,
^knn überhaupt je, irgendeiner Natton gelingen werde, eine Stellung zu gewinnen,
sie erst die Hanse, dann die Niederländer und nun seit fast zwei Jahrhunderten
ö,e Engländer mehr oder weniger umstritten behauptet haben.
Die deutsche Hanse hat aber noch das weitere Verdienst, daß sie dem kauf
männischen und seemännischen Unternehmungsgeiste, dem kühnen Wagemute, der die
gefahren der Wogen und der Fremde nicht scheut, in unserem Volke eine dauernde
M^ätte bereitet hat. Die Hanse ist es gewesen, die Städtewesen und Bürgertum im
Eebiet der norddeutschen Tiefebene von den Mündungen des Rheines bis hinein in
äie fremden Völkerschaften an den ostbaltischen Gestaden gefördert und zur Geltung
gebracht und damit einen Kulturfaktor eingeführt hat, ohne den an eine weit aus
greifende, weltgeschichtliche Entwickelung nicht zu denken war. Als die Jahrhunderte
kamen, wo es die größte Weisheit wurde, sich mit Schmiegsamkeit und Biegsamkeit,
mit Unverzagtheit, Zähigkeit und Genügsamkeit hindurchzuwinden durch die Hinder
nisse, welche die Weltlage von allen Seiten dem deutschen Seehandel entgegentürmte,
da bewährte sich doch der gesammelte Schatz von Erfahrung, Geschäftskunde und
Betriebsamkeit, von wetterfestem Mute und unbeugsamer Entschlossenheit und hat
selbst in den trübsten Tagen nicht ganz erschöpft werden können. Auch der altge-